Di, 19. März 2019
01.09.2016 09:18

Tränen in Albanien

Von Ketten befreit: Ein neues Leben für "Pashuk"

Auch der dritte Tag in Albanien startete für das "Vier Pfoten"-Team und "Krone Tierecke"-Redakteurin Denise Zöhrer ungewiss: In dem Ort Levan musste Bärenmännchen "Pashuk" jahrelang neben einem Restaurant in einem Gitterverschlag ausharren, laut letzten Informationen war das Tier bereits völlig entkräftet und vielleicht gar nicht transportfähig. Wie schlimm die Lage tatsächlich sein sollte, das ahnte zu diesem Zeitpunkt keiner der Tierschützer.

Das Restaurant "Pylli i Levanit" liegt etwas abseits von Levan im Südwesten von Albanien und sieht auf den ersten Blick sehr gepflegt, fast edel aus. Warum ausgerechnet hier ein Braunbär in absolut schrecklichen Bedingungen vor sich hin vegitieren muss und welche Gäste das auch noch unterhaltsam finden können, will mir nicht in den Kopf. Auch "Pashuk" hat es nicht besser getroffen als die anderen Bären, die wir auf dem Rettungseinsatz behandelt haben: Er hat verdrecktes, verfilztes Fell, zeigt sterotypes Verhalten und muss in einem viel zu kleinen Gitterkäfig ausharren.

Eisenkette tief ins Fleisch eingewachsen
Pashuks Anblick ist dennoch eine positive Überraschung, denn er ist auf den Beinen. Das ist nicht selbstverständlich: Der etwa fünfjährige Bär war zwischenzeitlich schon völlig apathisch und schwebte zwischen Leben und Tod. Wir hatten befürchtet, ihn vielleicht gar nicht transportieren zu können. Eines fällt aber sofort auf: Pashuk trägt eine Eisenkette um den Hals, mit der er immer wieder gegen die Gitterstangen schlägt. Wir erfahren: Diese Kette wurde ihm bereits als Jungtier umgelegt - der Bär wurde größer und die Kette war längst ins Fleisch eingewachsen. Man kann und will sich nicht vorstellen, welche Schmerzen das Tier über lange Zeit erleiden musste.

Gestandene Tierschützer in Tränen
Und dann geht alles wieder ganz schnell: Pashuk wird betäubt und das "Vier Pfoten"-Team beginnt mit der Arbeit. Mikrochip, Impfung, Vitamine - doch dann die Kette. Ohne Skalpell ist es nicht möglich, sie von Pashuks Hals zu lösen. Eine große Wunde um den ganzen Nacken herum bleibt zurück, die antibiotisch versorgt wird. Afrim Mahmuti, der Site Manager des Bärenrefugiums in Prishtina, wo Pashuk und die anderen beiden Bären bald ihr Leben genießen dürfen, hält die lange Eisenkette fassungslos in der Hand. Er weint. Carsten Hertwig, Leiter der Bärenprojekte der "Vier Pfoten", ist erschüttert: "So etwas habe selbst ich noch nicht gesehen."

Bären leiden jahrelang stumm
Ich stehe neben dem Käfig, dokumentiere Pashuks Behandlung und weiß gleichzeitig, dass ich die meisten dieser Fotos und Videos meinen Lesern gar nicht zumuten kann. So schrecklich ist der Eindruck, so schlimm sind die Bilder der gequälten Kreaturen, die so lange stumm gelitten haben, weil dem Mensch ihre Bedürfnisse völlig egal waren. Drei Tage voller solcher Bilder habe ich mit nach Hause genommen - auf der Kamera, aber vor allem in meinem Kopf.

Wegschauen hilft nicht - helfen Sie mit!
Wir dürfen nicht tatenlos dabei zusehen, wie Bären und andere Wildtiere zur Belustigung von Menschen misshandelt werden! Was vor allem bleibt nach drei Tagen in Albanien, ist die Gewissheit: Wegschauen hilft nicht! Unterstützen Sie Organisationen wie die "Vier Pfoten" bei ihrer Arbeit, sei es durch eine Unterschrift, oder eine Spende! Machen Sie es mit möglich, dass Bären wie Gjina, Tomi oder Pashuk geholfen werden kann. Alle drei werden bald im Bärenrefugium in Prishtina in artgerechter Haltung frische Luft schnuppern. Die Videos der Bären in ihrem neuen Zuhause werden uns vermutlich wieder zum Weinen bringen, aber diesmal aus Freude und mit dem Gedanken: "Ihr habt es geschafft, wir haben es geschafft."

So können Sie die Bären unterstützen
Es leben geschätzte 50 weitere Bären unter schrecklichen Umständen in Privathaltung in Albanien. Unterschreiben Sie jetzt die Petition www.savethesaddestbears.com  und helfen Sie mit, die albanische Regierung vom Schutz der geschundenen Bären zu überzeugen!

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