Di, 23. Oktober 2018

Chef der Kardiologie

16.12.2015 21:10

"Ich bin menschlich wirklich sehr betroffen"

Seit Monaten soll Wolfgang Michael Franz, Chef der Kardiologie an der Klinik Innsbruck, falsche Abrechnungen ausgestellt und keinen akzeptablen Umgang mit seinen Mitarbeitern gepflegt haben. Am Mittwoch nahm er in einem ausführlichen Interview Stellung zu den Vorwürfen. In seinen Augen hat er keine vorsätzlich schuldhafte Tat begangen.

Die Schlagzeilen über die Kardiologie an der Klinik Innsbruck in Zusammenhang mit Ihrer Person reißen auch weiterhin nicht ab. Wie geht es Ihnen derzeit?

Ich bin sehr entsetzt, vor allem menschlich zutiefst betroffen und fühle mich ungerecht behandelt. Seit einem halben Jahr werde ich öffentlich angegriffen und bin einem medialen Mobbing ausgesetzt. Auch meine Familie wird da hineingezogen. Die ganze Angelegenheit geht an uns allen natürlich nicht spurlos vorbei.

Wie schwierig ist es, sich auf die Arbeit im OP zu konzentrieren, wenn man solchen Belastungen ausgesetzt ist?

Bis zum Ergebnis der Kommission hatte ich keine Probleme. Aber seit Montag arbeite ich nicht mehr im OP. Die emotionale Belastung ist mittlerweile zu groß.

Am 1. Juli 2013 haben Sie die Station der Kardiologie an der Klinik übernommen. Wie kam es dazu?

Über 30 Bewerber hatten sich für diese Stelle beworben. Am Ende blieben drei über - ein Österreicher (direkt aus Innsbruck), ein Schweizer und ich. Die Wahl fiel schließlich auf mich und ich freute mich riesig auf diese neue Aufgabe. Ich habe bereits 12.000 Herzkatheter-Eingriffe durchgeführt, kann auch sonst etliche Qualifikationen und Tätigkeiten im Ausland vorweisen. Mit viel Herzblut ging ich an die neue Aufgabe heran.

Wie war Ihr Start in Innsbruck?

In den ersten Wochen hatte ich mit meinem Team ein intensives Arbeitspensum zu bewältigen, wir waren einer regelrechten Patientenflut ausgesetzt. Erst nach dieser Phase hatte ich Zeit, mir Gedanken über die gesamte Station zu machen. Ich habe zum Beispiel mit einem qualifizierten Gesundheitsökonom die kardiologische Situation in Tirol analysiert. Recht schnell wurde mir dadurch klar, dass sich einiges ändern musste - und zwar im Sinne der Patienten.

Haben Sie in der Folge den Kontakt zu Ihren Vorgesetzten gesucht, um Ihre Pläne zu präsentieren?

Ja, das habe ich mehrmals versucht. Ich wollte meine Verbesserungsvorschläge diskutieren und sie natürlich auch realisieren. Jedoch wurde ich nicht gehört. Es gab kein einziges Treffen, in dem ich selbst eingebunden war. Deshalb habe ich schließlich auf eigene Faust Änderungen vorgenommen - und zwar mit großem Erfolg.

Welche Erfolge sind das im Detail?

Seit meiner Anwesenheit ist die Patientenversorgung um 40 Prozent gestiegen - und zwar bei gleich bleibendem Personal. Im Jahr 2012 waren es noch 450 Notfälle , die auf der Station behandelt wurden. Heuer widmeten wir uns sogar rund 700 akuten Infarkten. Und was die kritisierten Todesfälle betrifft, sind die Mortalitätswerte mit 15 Toten pro 1000 akuter Fälle besser als der internationale und der europäische Schnitt.

Diese Zahlen sprechen für Sie. Wie können Sie sich erklären, dass sie dennoch seit Monaten derart unter medialem Beschuss stehen?

Ich weiß absolut nicht, warum ich in Ungnade gefallen bin. Ich habe mir in keinster Weise etwas zu schulden kommen lassen, alle Behauptungen sind falsch. Ich selbst hatte ja darum gebeten, die Kommission einzuberufen - und zwar damit die Mitglieder unabhängig und objektiv die Zustände an der Kardiologie untersuchen.

Das bedeutet, dass der Vorwurf, Sie hätten Abrechnungen falsch ausgestellt, nicht stimmt?

Diese Anschuldigung ist absolut haltlos. Dabei handelt es sich um exakt 208 Privatpatienten, die ambulant behandelt wurden. Jeder einzelne von ihnen gab in der Klinik klar an, dass er von mir behandelt werden wollte. Und meine Mitarbeiter haben diese Patienten auch über die zusätzlichen Kosten aufgeklärt. Durch einen Fehler in der Administration wurden sie nicht als Privatpatienten erfasst, sodass durchaus der Eindruck entstehen konnte, wir kassieren auch von "normalen" Ambulanzpatienten.

Ist es für Sie vorstellbar, dass die Anschuldigungen Ihrer Person etwas mit der geplanten Herzkatheter-Klinik im Sanatorium Kettenbrücke zu tun hat?

Ja, da bin ich sicher!

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Das wird vom Ergebnis der nächsten Gespräche abhängen. Sollte es eine Trennung geben, werde ich darum kämpfen, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

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