Mi, 19. Dezember 2018

Hand-Prothesen

16.05.2015 14:34

Der Griff zurück ins Leben

Ein skizziertes Szenario: Mit 39 Jahren ändert sich das Leben von Harry, Bauingenieur, wortwörtlich auf einen Schlag: Er ist gerade auf einer Baustelle im Einsatz, als ihn ein herabfallender Holzpflock direkt in den Nacken trifft. Er überlebt, schwere Rückenmarksverletzungen zwingen ihn allerdings in den Rollstuhl. Ellbogen und Finger kann er nicht mehr bewegen. Hilfe kommt von der TU Graz, wo gedankengesteuerte Greif-Prothesen entwickelt werden!

Harrys Schicksal ist kein erfundener Einzelfall, sondern oftmals bittere Realität. Besonders die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit der Arme und Hände ist ein gewaltiger Einschnitt in der Lebensqualität. Wenn man nicht mehr greifen kann, sind vom Kochen bis zum Zähneputzen viele Dinge des Alltags unmöglich.

Plötzlich ist man permanent auf Hilfe angewiesen. Gernot Müller-Putz forscht am Institut für Semantische Datenanalyse der TU Graz an Gehirn-Computer-Schnittstellen und ist spezialisiert auf gedankengesteuerte Neuroprothesen. Aktuell koordiniert er mit seinem Team das für drei Jahre angelegte EU-Forschungsprojekt „MoreGrasp“. Keine OP notwendig„Mit MoreGrasp haben wir das Ziel, eine sehr anpassungsfähige Greif-Neuroprothese zu entwickeln“, sagt er. „Wenn man an bestimmte Bewegungen denkt, ändert sich das Gehirnstrommuster. Die Gehirn-Computer-Schnittstelle misst diese Muster und die Neuroprothese stimuliert daraufhin gezielt Muskeln in Armen und Händen – bis sie sich bewegen.“ Ganz wesentlich ist: Die Steuerung der Greifprothese per „Gehirnschmalz“ soll ohne Operation möglich sein: „Wir messen die Gehirnströme mittels spezieller Elektroden an der Kopfhaut und nicht direkt am Gehirn. Das ist eine technische Herausforderung, weil die Signale schwächer sind. Wichtiger ist aber, dass wir somit eine gefährliche OP am Gehirn umgehen“, so Müller-Putz.

Die Geschichte von Harry könnte mit „MoreGrasp“ so weitergehen: Sein persönlicher „Gehirnrhythmus“ und seine Muskelkraft in Armen und Fingern werden vermessen und er bereitet seine Muskulatur auf die Bewegungen vor. Dann bekommt er sein persönliches Headset zum Aufzeichnen der Gehirnströme und die angepasste Greifneuroprothese, die ein bisschen an einen langen Handschuh erinnert. Und wieder muss Harry üben und trainieren, bis er schließlich einfache Griffe ausführen kann. Der erste, wichtige Schritt zurück ins Leben...

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