Opfer konnte fliehen

18-Jähriger entführte Frau in Klagenfurt – gefasst

Österreich
12.03.2015 13:28
Dramatische Szenen haben sich am Mittwochnachmittag in Klagenfurt abgespielt. Eine 57-jährige Frau war von einem bewaffneten 18-Jährigen in ihrem eigenen Auto entführt worden. Der Angestellten gelang in einem unbeobachteten Moment jedoch die Flucht, die Frau alarmierte die Polizei. Noch am Abend konnte der mutmaßliche Täter von der Polizei festgenommen werden. Das Motiv für die Tat ist bislang nicht bekannt, der 18-jährige Verdächtige und sein Opfer dürften einander jedenfalls nicht gekannt haben.

"Die Frau wollte gegen 16.50 Uhr vom Firmenparkplatz wegfahren, als sich der Täter zu ihr ins Auto gesetzt und sie mit einer Faustfeuerwaffe bedroht hat", berichtete Markus Tilli vom Stadtpolizeikommando am Donnerstag. Der 18-jährige Klagenfurter wies die Frau danach an, hinaus in ländliches Gebiet zu fahren.

Auf dem Weg dahin ließ er sie noch im Stadtgebiet zweimal anhalten: Einmal musste die Frau aus einem Automaten Zigaretten holen, einmal bei einem Bankomaten 200 Euro beheben und das Geld ihrem Entführer übergeben. Der 18-Jährige blieb dabei im Auto - einem Mercedes - sitzen und bedrohte sie aus dem Fahrzeug heraus mit der Waffe.

Auf diesem Parkplatz gelang der entführten Frau später die Flucht. (Bild: APA/GERT EGGENBERGER)
Auf diesem Parkplatz gelang der entführten Frau später die Flucht.

Opfer gelang Flucht aus Kofferraum
Außerhalb der Stadt auf dem Weg in Richtung Schiefling am Wörthersee musste die 57-Jährige ein drittes Mal stoppen: Der Täter zwang die Angestellte in den Kofferraum und fuhr ab da selbst weiter, sagte Tilli. Gegen 18 Uhr kehrte er dann nach Klagenfurt zurück. Als der Täter auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Rosenthaler Straße anhielt und aus dem Fahrzeug stieg, witterte das Opfer seine Chance: "Als die Frau merkte, dass der Täter weggegangen ist, hat sie es aus dem Auto rausgeschafft", schilderte der Polizeimajor. "Sie ist vom Kofferraum ins Fahrzeuginnere geklettert." Auf der Straße sprach sie dann Passanten an und schilderte den Vorfall - über das Handy eines der Fußgänger wurde dann die Polizei alarmiert.

Als der Entführer zum Auto zurückkam und bemerkte, dass sein Opfer entwischt war, raste er mit dem Wagen davon. Die Beamten hatten jedoch längst eine Großfahndung nach dem Flüchtigen eingeleitet. Etwa 20 Beamte des Stadtpolizeikommandos - "alle meine Streifen", so Tilli - und Beamte der Cobra waren im Einsatz. Auf der Flucht vor der Polizei touchierte der 18-Jährige auch noch ein anderes Auto - der Lenker des beschädigten Fahrzeugs meldete den Vorfall und konnte so den Polizisten einen wichtigen Hinweis auf den Fluchtwagen geben.

Festnahme auf Schotterstraße
Noch in der Innenstadt kam es wenig später nahe der Justizvollzugsanstalt zu einem Anhalteversuch - dabei wurde ein Beamter der Cobra verletzt. Dieser hatte sich dem Fahrzeug genähert und wollte die Fahrzeugtüre aufreißen, in diesem Moment jedoch gab der Verdächtige Gas. Der Polizist stürzte und brach sich dabei die Hand.

Am Kreuzbergl, dem Klagenfurter Hausberg, war für den Flüchtigen schließlich Endstation. Der Mercedes blieb kurz vor 20 Uhr auf einer Schotterstraße liegen, die Cobra nahm den 18-Jährigen fest und brachte ihn ins Klagenfurter Polizeianhaltezentrum.

Tatmotiv noch unklar
Die Hintergründe der Tat liegen bislang im Dunklen. "Das ist derzeit die brennendste Frage: warum?", sagte Tilli. Bei seiner Einvernahme zeigte sich der Verdächtige bislang kooperativ, erklärte der Polizeimajor. "Er redet schon mit der Polizei. Zu seinem Motiv hat er aber noch nichts gesagt", erläuterte Tilli am Donnerstagnachmittag. Relativ sicher sei aber, dass Opfer und Verdächtiger einander nicht gekannt haben. Man gehe von einem zufälligen Aufeinandertreffen der beiden aus. "Es dürfte keinen Bezug geben", so Tilli.

Zum Verdächtigen selbst gibt es bislang ebenfalls keine näheren Details. Die 57-Jährige war am Donnerstag zu Hause, schwer geschockt, aber körperlich unversehrt. "Es geht ihr den Umständen entsprechend gut", so Tilli. Eine Betreuung durch ein Kriseninterventionsteam habe die Frau vorerst nicht in Anspruch nehmen wollen, heißt es.

Tatwaffe noch nicht gefunden
Die Waffe, mit der der 18-Jährige sein Opfer bedroht hatte, wurde noch nicht sichergestellt - somit ist unklar, ob sie echt und geladen war. Tatortteams untersuchten am Vormittag die verschiedenen Schauplätze und den Wagen. Tilli hob ausdrücklich die gute Kooperation zwischen dem Stadtpolizeikommando und der Cobra hervor.

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