Kopfschuss vor Billa

35-Jähriger streitet Bluttat an Bruder ab

Österreich
03.03.2015 14:30
Nach einem Schuss auf seinen 31-jährigen Bruder in der Vorwoche im Wiener Bezirk Liesing ist der tatverdächtige Zarko J. nicht geständig und bestreitet, die blutige Tat begannen zu haben. Der Mitte Jänner entflohene Häftling der Justizanstalt Stein war bereits am Mittwoch - zwei Tage nach der Tat in der Purkytgasse - festgenommen worden, sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger am Dienstag. Der Verdächtige hatte Drogen und 22.000 Euro in bar bei sich. Auch konnte das Opfer mittlerweile erstmals zur Tat befragt werden - doch an den Vorfall selbst kann sich der 31-Jährige nicht mehr erinnern. Die Tatwaffe - laut derzeitigem Ermittlungsstand eine Faustfeuerwaffe vom Kaliber 9 mm - wurde bisher noch nicht gefunden.

Das 31 Jahre alte Schussopfer, das zunächst in Lebensgefahr und künstlichem Tiefschlaf war, konnte am Montag im Krankenhaus erstmals genauer befragt werden. Der 31-Jährige erklärte, er könne sich durch die schwere Kopfverletzung an nichts erinnern. Er wisse nicht, wer auf ihn geschossen habe. Allerdings gab er an, dass sein Bruder seit drei Wochen in der Wohnung in der Kinskygasse, die eigentlich der Frau des Opfers gehört, gewohnt habe.

Der 31-Jährige habe jedoch verlangt, dass Zarko J. wieder ausziehen sollte, um Probleme mit der Polizei zu vermeiden - immerhin war er Mitte Jänner aus Mauer durch ein WC-Fenster im Parterre geflohen. Deswegen sei es bereits Tage vor den Schüssen zu Streitereien gekommen, erklärte das Opfer. Die bei ihm gefundene Pistole habe er auf einem Flohmarkt gekauft - laut Eidenberger sei diese bei einem Einbruchsdiebstahl in Wiener Neustadt entwendet worden. Der 31-Jährige muss nach Angaben der Polizei noch einige Tage im Krankenhaus bleiben.

Vor dieser Billa-Filiale in Wien kam es zum blutigen Attentat mit Kopfschuss. (Bild: Andreas Schiel)
Vor dieser Billa-Filiale in Wien kam es zum blutigen Attentat mit Kopfschuss.

Heftige Gegenwehr bei Festnahme
Nach den Schüssen in Liesing waren die Ermittler rasch auf die Spur des 35-Jährigen gekommen. Am Mittwoch bekamen sie einen Hinweis, dass sich der Gesuchte in einem Café auf der Meidlinger Hauptstraße aufhält. Als Zarko J. die anrückenden Beamten sah, ergriff er die Flucht, dabei warf er ein Sackerl mit Mobiltelefonen und Wertkarten weg. Nach einem Schreckschuss wurde der Mann gestoppt, er wehrte sich laut Eidenberger aber heftig gegen seine Festnahme und verletzte dabei einen Polizisten. Erst beim Anblick eines gezückten Tasers gab der 35-Jährige auf.

Zarko J. wollte sich aus Österreich absetzen
Der Verdächtige hatte bei seiner Festnahme geringe Mengen an Drogen bei sich. In der Innentasche seiner Jacke fanden die Beamten außerdem mehr als 22.000 Euro. Dies erklärte der 35-Jährige damit, dass er vor einiger Zeit Gold gestohlen und vergraben hatte. Nach seiner Flucht habe er es geholt und verkauft. Wann und wo das Gold gestohlen wurde, blieb vorerst aber unklar.

Der gebürtige Serbe wollte sich nach eigenen Angaben demnächst aus Österreich absetzen. Er hatte drei gefälschte Ausweise bei sich und verwendete in der Vergangenheit insgesamt sieben Aliasnamen.

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