Trauer und Ausgrenzung
Ebola: 180 Kinder wurden im Kongo zu Vollwaisen
Seit dem Ebola-Ausbruch im Kongo sind mindestens 180 Kinder zu Vollwaisen geworden. Zu Trauer und Trauma komme in vielen Fällen auch Stigmatisierung, wie die Kinderschutzorganisation Save the Children berichtet. So würden einige von anderen Kindern getrennt werden oder müssten alleine essen – selbst nach der Isolationszeit.
Die Inkubationszeit beträgt 21 Tage. Während dieser Zeit müssen Kinder, die engen Kontakt zu Infizierten hatten, medizinisch beobachtet werden. Bereits diese drei Wochen seien für viele belastend, da sie gleichzeitig mit dem Verlust ihrer Angehörigen und der Unsicherheit über ihre eigene Gesundheit umgehen müssten, sagte Katharina von Schroeder, die im Kongo für Save the Children arbeitet. Die Organisation hat spezielle Beobachtungs- und Betreuungszentren eingerichtet, in denen betroffene Kinder medizinische Hilfe, psychosoziale Unterstützung und Schutz in einer sicheren Umgebung erhalten. „Ziel ist es, die Kinder in dieser schwierigen Situation nicht nur gesundheitlich zu begleiten, sondern ihnen auch Stabilität, Geborgenheit und ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln“, sagte von Schroeder.
Der Anteil der Kinder und Jugendlichen zwischen 0 und 17 Jahren beträgt unter den bestätigten Infektionen laut dem Kinderhilfswerk UNICEF etwa ein Fünftel. Bei zwei Dritteln der infizierten Kinder unter einem Jahr führt Ebola zum Tod, bei den Ein- bis Vierjährigen beträgt die Letalität 58,5 Prozent (in der Bevölkerung insgesamt 47,5 Prozent, Anm.).
Viele Familien zögern weiterhin, Verdachtsfälle zu melden. Sie haben Angst, dass Angehörige, insbesondere Kinder, von ihren Familien getrennt werden.
Katharina von Schroeder, Save the Children
Viele Familien melden Verdachtsfälle nicht
Bei der Bekämpfung der Erkrankung ist die Verfolgung der Kontakte infizierter Patientinnen und Patienten wichtig, doch in Gebieten, in denen Ebola geleugnet oder stark angezweifelt wird, ist das besonders schwierig. „Auch wenn das Verständnis für die Krankheit durch Aufklärungsarbeit meist wächst, zögern viele Familien weiterhin, Verdachtsfälle zu melden. Sie haben Angst, dass Angehörige, insbesondere Kinder, von ihren Familien getrennt oder in Isolationszentren gebracht werden“, sagt von Schroeder. Eine frühe Erkennung und Behandlung trage aber dazu bei, die Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern.
„Viele betroffene Kinder erfahren Ausgrenzung und Stigmatisierung, insbesondere dort, wo Ebola als reale Bedrohung wahrgenommen wird. Wenn Kinder nach dem Tod ihrer Eltern von Verwandten wie Tanten, Onkeln oder Großeltern aufgenommen werden, kommt es teilweise vor, dass sie von anderen Kindern getrennt werden oder nicht gemeinsam mit anderen zusammen essen dürfen“, sagte von Schroeder weiter. Gleichzeitig erlebe sie aber auch, dass Angehörige Mitgefühl zeigten und es viel Solidarität innerhalb der Familien und Gemeinden gebe. Häufig würden die finanziellen Mittel fehlen, um die Kinder angemessen zu versorgen.
Keine spezifische Therapie
Die Epidemie im Kongo hat bereits mehr als 2500 Menschenleben gefordert. Der Name der Infektionskrankheit, die durch Viren hervorgerufen wird, geht auf den Floss Ebola zurück, in dessen Nähe 1976 der erste allgemein bekannte große Ausbruch verzeichnet wurde. Der Erreger kann von erkrankten Menschen durch Körperflüssigkeiten, von Tieren und kontaminierten Gegenständen übertragen werden. Mögliche Symptome sind unter anderem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Gegen die aktuelle Virusvariante gibt es bislang keinen speziell zugelassenen Impfstoff und keine spezifische Therapie.

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