Wahl in St. Pölten

Die rote Hochburg hält seit mehr als 60 Jahren

Niederösterreich
25.01.2026 11:30

St. Pölten ist seit der Nachkriegszeit fest in der Hand der Sozialdemokraten. Seit 1965 regiert die SPÖ mit absoluter Mehrheit. Bleibt das auch im speziellen Jubiläumsjahr – St. Pölten feiert 40 Jahre Landeshauptstadt – so?

Kaum eine größere Stadt in Österreich weist in der Nachkriegsgeschichte eine derart konstante politische Machtverteilung auf wie St. Pölten. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird das Rathaus von der SPÖ geführt, seit 1965 sogar durchgehend mit absoluter Mehrheit. 40 Jahre nach der Ernennung zur Landeshauptstadt stellt sich daher die Frage: Bleibt das auch 2026 so?

Die Zeit nach dem Krieg
Als im Frühjahr 1945 der Krieg endete, stand auch St. Pölten vor dem politischen und wirtschaftlichen Neuanfang. Die ersten Jahre waren von provisorischen Verwaltungsstrukturen geprägt, ehe sich mit der Konsolidierung der Zweiten Republik auch die kommunalpolitischen Kräfteverhältnisse stabilisierten. So hatte zwar mit Wilhelm Steingötter schon 1945 ein SPÖ-Kandidat gewonnen, das Bürgermeisteramt hatte er aber erst 1950 angetreten. Zuvor war Franz Käfer von den russischen Besatzern als Stadtoberhaupt eingesetzt worden.

Stadler übernahm 2004 das Amt von seinem Vorgänger Willi Gruber.
Stadler übernahm 2004 das Amt von seinem Vorgänger Willi Gruber.(Bild: Stadtarchiv)

Auf Partnersuche
Bei der ersten freien Gemeinderatswahl 1950 errang die SPÖ auf Anhieb die absolute Mehrheit. Dieser Wahlausgang markierte den Beginn einer Dominanz, die das politische Geschehen in der Stadt über Jahrzehnte bestimmen sollte. 1960 – Steingötter hatte bereits vorher verkündet, nicht mehr zu kandidieren – hatten die Sozialdemokraten zum letzten Mal die absolute Mehrheit verloren. Mit 47,3 Prozent lag man zwar deutlich an der Spitze, der neue Bürgermeister Rudolf Singer brauchte jedoch einen Partner, den er mit der FPÖ gefunden hat.

Rückkehr zur Absoluten
1965 hatte er die absolute Mehrheit zurückgeholt, vor allem auf Kosten der FPÖ, die gänzlich aus dem Gemeinderat hinausgerutscht sind. Drei Jahre später kam es aber zum Bruch mit der Partei, weil Singer, in dessen Amtszeit die Errichtung des Hallenbads und die Neugestaltung des Europaplatzes gefallen sind, immer wieder zu Einzelentscheidungen tendiert haben soll. Die SPÖ hatte ihn 1968 ein Funktionsverbot auferlegt, dennoch blieb Singer bis zur Wahl 1970 im Amt. Sein Nachfolger Hans Schickelgruber konnte trotz dieser internen Querelen das Ergebnis der SPÖ erneut ausbauen und 57 Prozent erreichen – einen Wert, den er auch danach jeweils halten konnte.

1997 zog die Verwaltung ins Regierungsviertel.
1997 zog die Verwaltung ins Regierungsviertel.(Bild: P. Huber)

SPÖ am Höhepunkt
1986 erlebten die Sozialdemokraten unter Willi Gruber ihren absoluten Höhepunkt. In dem Jahr, in dem St. Pölten zur Landeshauptstadt ernannt worden war, konnte die SPÖ 62,5 Prozent erreichen – einen Wert, den sie davor und danach nie mehr erreichen sollten. Bis zu seinem Rücktritt war Gruber der am längsten dienende Bürgermeister St. Pöltens – einen Wert, den aber schon sein Nachfolger übertrumpfen sollte. Matthias Stadler wurde von Gruber selbst auserkoren. Stadler konnte bei der letzten Wahl 2021 56 Prozent holen.

Die Bürgermeister seit 1945

Franz Käfer (KPÖ) ,1945-1950

Wilhelm Steingötter (SPÖ), 1950-1960

Rudolf Singer (SPÖ), 1960-1970

Hans Schickelgruber (SPÖ), 1970-1985

Willi Gruber (SPÖ), 1985-2004

Matthias Stadler (SPÖ), 2004-heute 

Vom Rekordhoch bis zum Minusrekord
Und die Opposition? Die ÖVP lag die ersten 40 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stabil bei jeweils mehr als 30 Prozent. 2016 holte die Volkspartei unter Matthias Adl mit 20,3 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis, konnte aber 2021 zumindest wieder ein Mandat zulegen. Die FPÖ hatte hingegen 2016 mit 14,7 Prozent ihren höchsten Wert erreicht, verlor aber die Hälfte ihrer sechs Mandate bei der darauffolgenden Wahl wieder.

2006 wurde 20 Jahre Landeshauptstadt gefeiert – heuer werden es 40!
2006 wurde 20 Jahre Landeshauptstadt gefeiert – heuer werden es 40!(Bild: Stadtarchiv)

Profitiert davon haben die Grünen, die 2021 ihrerseits nämlich von einem auf drei Mandate kletterten und ihr historisch bestes Ergebnis in der Landeshauptstadt einfahren konnten. Gleichzeitig zogen die NEOS mit 3,2 Prozent erstmals in den Gemeinderat ein – fünf Jahre zuvor waren sie noch deutlich gescheitert. Die KPÖ hingegen – in Spitzenzeiten immerhin zwischen fünf und sieben Sitze im Gemeinderat – war seit der Wahl 1986 nicht mehr im Gemeinderat vertreten, von 2006 bis 2016 gar nicht erst angetreten. 2021 reichte es lediglich zu 1,1 Prozent.

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