Die Empörung im Ausseerland ist kein lokalpatriotisches Gepolter, sondern Ausdruck einer berechtigten Sorge: Wohin soll man künftig im Notfall? Während ein Spitalsstandort zurückgebaut wird, sind jene Alternativen, die die Politik als Allheilmittel präsentiert, noch lange nicht einsatzbereit. Das ist kein behutsamer Strukturwandel, sondern ein riskantes Experiment mit der Gesundheit der Menschen im ländlichen Raum.
Als diese Woche bekannt wurde, dass im LKH Bad Aussee bereits ab April keine Operationen mehr stattfinden sollen – obwohl Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl vor wenigen Monaten noch zugesichert hatte, der Standort habe „bis 2030 auf jeden Fall noch Zeit“ -, saß der Schock tief. Von den Wahlversprechen der FPÖ ganz zu schweigen.
Betriebsrat Gerhard Wechtitsch sprach am Freitag gegenüber der „Krone“ von einer „verlogenen und gemeinen Vorgehensweise“, wie er sie in über 40 Jahren im Haus noch nicht erlebt habe. Der Satz markiert den massiven Vertrauensverlust. Zudem rechnet der Arbeitnehmervertreter mit dem Wegfall von rund 100 Arbeitsplätzen – ein Hinweis auf die sozialen Folgen der blau-schwarzen Entscheidung.
Patient abgewiesen
Zwar verweist die Landesregierung auf den regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG 2030) und betont die Sicherstellung der 24/7-Versorgung, doch die Realität spricht eine andere Sprache. Erst am Donnerstag wurde laut „Forum“ ein Notfall vom LKH Bad Ischl abgelehnt – mangels Kapazitäten.
Was fehlt, ist – einmal mehr – ein nachvollziehbarer, transparenter Fahrplan, der Versorgungssicherheit und Ressourcen ehrlich zusammendenkt. Ob Telemedizin oder ambulante Versorgungszentren: Solche Konzepte brauchen Zeit, Personal, Infastruktur – und auch Planbarkeit für die Menschen vor Ort. Nicht allein der Reflex zur Kostenreduktion darf leiten, sondern die Frage: Wie sichern wir hochwertige medizinische Versorgung für alle – auch abseits der Zentren?
Ohne diese Klarheit wird der Volkszorn nicht abebben, sondern wachsen – und das zu Recht.
Kommen Sie sicher durch diesen Freitag!
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