Chaos-Jahr 2024: Zahlreiche Hoppalas und handfeste Skandale ließen es heuer am Küniglberg rumoren. Generaldirektor Roland Weißmann hatte Mühe, die vielen Feuer wieder zu löschen. Auch im neuen Jahr warten wieder einige Baustellen.
Zu Silvester wird ORF-General Roland Weißmann wohl froh sein, dass dieses Krisenjahr für den Öffentlich-Rechtlichen vorbei ist. War der Chef des mächtigen Rundfunks doch heuer regelmäßig damit beschäftigt, Schadensbegrenzung zu betreiben. Gleich zu Beginn des Jahres hagelte es Kritik der Österreicher an der neuen Zwangsgebühr, die seitdem jeder Haushalt zahlen muss, egal ob mit oder ohne ORF-Konsum.
Erst so richtig angeheizt wurde der Unmut vieler Bürger dann mit der verpflichtenden Veröffentlichung der Gagenkaiser im Unternehmen: Dass etwa Ö3-Moderator Robert Kratky mit einem Jahresbruttogehalt von rund 443.000 Euro nach Hause geht und wie viele ORF-Stars auch noch satte Nebeneinkünfte verbuchen konnte, ließ die Volksseele kochen.
Vorwürfe von Mobbing bis Parteienbegünstigung
Auch personelle Dramen spielten sich ab: So tauchte ein Kommissionsbericht auf, der die Vorwürfe gegen den früheren Niederösterreich-Landesdirektor Robert Ziegler bestätigte. Wie berichtet, soll er die Berichterstattung zugunsten der ÖVP Niederösterreich beeinflusst haben – das hatte zuvor bereits zu seinem Abgang als Landesdirektor geführt. Doch Ziegler ist bis heute im ORF beschäftigt und Weißmann sah sich im Herbst erneut mit herber Kritik daran konfrontiert. Er versprach, die Causa erneut prüfen zu lassen. Seither ist der Fall jedoch wieder in den Hintergrund gerückt, weil er gleich von dem nächsten abgelöst wurde: Dieses Mal wurde ORF-III-Chef Peter Schöber Ziel von Anschuldigungen. Rund 50 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter werfen ihm Mobbing, redaktionelle Einflussnahme und diskriminierende Äußerungen vor. Ein ORF-interner Bericht dazu liegt bereits vor, der Generaldirektor lässt die Angelegenheit aber auch noch extern prüfen.
Neben solchen „Sorgenkindern“ wird Weißmann über andere Hoppalas nur müde lächeln können. Etwa über Armin Assingers Stinkefinger, den der „Millionenshow“-Moderator kürzlich bei einer Veranstaltung zeigte und damit einen Shitstorm auslöste. Oder den verunglückten Tweet von Martin Thür, der auf einem Dankes-Foto die große Mitarbeiterschar der ORF-„Sommergespräche“ zeigte und viele empörte Kommentare dafür erntete – Stichwort Geldverschwendung.
Kein Wunder, dass bei so vielen Krisen das Inhaltliche des Öfteren auf der Strecke bleibt. So ließ die angekündigte Weiterentwicklung der Diskussionsformate des ORF monatelang auf sich warten. Am 12. Jänner soll nun endlich der „Im Zentrum“-Nachfolger „Das Gespräch“ mit Susanne Schnabl als Moderatorin starten, weiter warten heißt es jedoch auf ein weiteres angekündigtes Format. Der Arbeitstitel lautet „ZiB-Talk“, er soll Mitte der Woche ausgestrahlt werden. Mit der Realisierung will sich der ORF noch bis etwa Anfang April Zeit geben.
Fad wird dem ORF-General wohl auch 2025 nicht, denn schon jetzt wirft eine Novelle zur Entpolitisierung von ORF-Gremien ihre Schatten voraus ...
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.