Jedes vierte Kind in Oberösterreich hat mit Deutsch Probleme, wenn es das erste Mal in die Volksschule geht. Die meisten von diesen Kindern haben Migrationshintergrund, doch viele von ihnen sind auch schon in Österreich geboren. Fachleute wissen, woran es hapert.
Fast ein Viertel der Erstklassler in Oberösterreich kann dem Unterricht heuer wegen Deutschdefiziten noch nicht voll folgen – die „Krone“ berichtete. Und mehr als ein Drittel dieser Kinder mit Sprachschwierigkeiten sind Österreicher, also nicht erst kürzlich hergezogen. Woran also liegen die Deutschprobleme beim Schuleintritt?
Daheim andere Sprache
Eine mögliche Erklärung liefern Eindrücke aus der Praxis. „Kinder leiden an schwierigen Lebenssituationen der Eltern, das hat Auswirkungen auf alle Schulfächer“, erzählt Julia Pisarek. Die 28-Jährige war im Rahmen von „Teach for Austria“ zwei Jahre lang Lehrerin an einer Linzer Mittelschule, davor arbeitete sie als Sprachassistentin.
In meiner Klasse hatten die Kinder Verständnis dafür, dass wir manche Sachen noch einmal erklären mussten.
Julia Pisarek (28), ehemalige Lehrerin
„Die Mehrheit meiner Schüler war in Österreich geboren und aufgewachsen, aber hat zu Hause mit den Eltern eine andere Sprache gesprochen“, sagt Pisarek. Das sei zwar nicht der einzige Grund für sprachliche Schwierigkeiten, aber mache natürlich einen Unterschied.
Kindergarten wäre der Schlüssel
Und was sagt die Sprachwissenschaft zum Thema Deutsch vor der Schule? „Grundsätzlich ist die Verwendung der Erstsprache zu Hause in der Familie eine sinnvolle Sache. Man erwirbt dadurch auch soziale Fähigkeiten, die über Vokabeln hinausgehen. Und jedes Kind ist absolut imstande, zwei Sprachen von früh an solide und gut zu lernen. Mehrsprachigkeit ist kein Problem, sondern eine extrem wichtige Ressource“, meint Marie-Luise Pitzl-Hagin, Leiterin des Sprachenzentrums an der Johannes Kepler Universität Linz.
Die Expertin plädiert zudem: „Ein Ausbau der Kindergartenplätze ist sicher eine effektive Variante, damit Kinder schon früher mit Deutsch in Kontakt kommen.“
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.