„Wir verstehen sakrales Läuten tagsüber ja.“ Aber als Mathias V. und seine Freundin in die Wohnung direkt neben der Gerasdorfer Kirche eingezogen sind, gab es im Wortsinn ein böses Erwachen: Denn auch nachts setzte sich das Geläute fort – jede Viertelstunde und zusätzlich auch jede volle Stunde extra wird gebimmelt. Beim Pfarrer stößt das Paar aber auf taube Ohren.
„Immer öfter hört man von geplagten Bürgern, die sich gegen das über die Nacht durchgehende Läuten beschweren – wir gehören hier eindeutig dazu!“ Mathias V. und seine Partnerin sind verzweifelt, seit sie in die neue Wohnung in Gerasdorf gleich gegenüber der Kirche eingezogen sind. Schon in der ersten Nacht kam der Schock, erzählen sie: „Die Turmuhr schlägt auch nach 22 Uhr jede Viertelstunde. Jede volle Stunde gibt es dann vier Glockenschläge – dazu kommt auch noch ein Glockenschlag für die Stundenzahl dazu“, so der genervte 48-Jährige, dem beispielsweise allein in der Stunde bis 5 Uhr früh insgesamt 15 Glockenschläge in den Ohren dröhnen.
„Spitzenreiter beim sakralen Bimmeln“
Bei der Wohnungsbesichtigung habe man ja mit Läuten gerechnet, „wenngleich der Pfarrer mit der Anzahl des sakralen Läutens unserer Meinung nach allgemein übertreibt. Wir wohnten früher auch in Kirchennähe, aber dies ist hier eindeutig der ,Spitzenreiter beim Bimmeln‘“, so Mathias.
Der Schlafmangel und die Ohnmacht gegenüber den Kirchenoberen, dass sich daran nichts ändern werde, zerre sehr an den Nerven der beiden Gerasdorfer: „Das ging bereits bis zum Burn-out“, berichtet Mathias. Ausziehen komme für das Pärchen aber trotzdem nicht infrage.
Das mag vielleicht zu früheren Zeiten im ländlichen Bereich angebracht gewesen sein. Aber heutzutage ist das Gebimmel alle Viertelstunden keineswegs mehr zeitgemäß.
Kirchen-Anrainer Mathias V. aus Gerasdorf
Pfarrer und Pfarrgemeinderat sind gegen „Nachtruhe“
„Als wir mit den Nachbarn in Kontakt traten, sind diese erst aufmerksam geworden, dass man gemeinsam etwas dagegen tun könnte“, schildert Mathias. Ergebnis: negativ. Die Pfarrgemeinde beruft sich auf die Tradition, die mit dem sakralen Läuten verbunden ist. Zudem müsse den Menschen im Vorhinein – also vor dem Beziehen der Wohnung – bewusst gewesen sein, dass in der Nähe der Kirche auch der Klang von Glocken verbunden sei.
Auf Kontaktversuchen mit der Pfarre gab es auch für die „Krone“ keine Reaktion – Grund: Die Kontaktaufnahme sei außerhalb der Öffnungszeiten erfolgt. Auf eine auf dem Anrufbeantworter hinterlassene Nachricht hätte man erst im Nachhinein reagieren können.
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