Ein 14-jähriger Wiener kam in U-Haft, nachdem er im Sommer zusammen mit zwei Unmündigen ein Feuer in der stillgelegten Brotfabrik in Schwechat (NÖ) gelegt hatte. Dem Burschen wird eine Vielzahl von Straftaten vorgeworfen. Doch sein Auftreten im Prozess überrascht.
Seinen 15. Geburtstag hat Raphael (Name geändert) in Wien in der U-Haft verbracht. Der schlanke Bursche mit der Brille ist gepflegt, höflich und – wie schon nach wenigen Sätzen im Prozess erkennbar ist – auch intelligent. Und dennoch hat sein Umfeld massiv mit ihm zu kämpfen.
Raub, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Drohung ...
Im Prozess sind neben seiner Verteidigerin auch mehrere Sozialarbeiter und seine Eltern anwesend, die sich das Sorgerecht des Jugendlichen teilen: „Weil ich es zu Hause nicht mehr aushalten konnte, bin ich in eine WG gegangen“, erzählt Raphael, dem trotz seiner Jugend gleich mehrere Straftaten vorgeworfen werden. In der Wohngemeinschaft ist er laut dem Richter oft abgängig: „In der Nacht sind wir spazieren gegangen und haben Blödsinn gemacht.“ – mit „wir“ meint der 15-Jährige sich und seine erst 13-jährigen und somit strafunmündigen Freunde, die er aus der WG kennt.
Die Schule besuchte der angeklagte Bub, der wortgewandt ist, „nicht so oft“. Stattdessen sprach er gefährliche Drohungen aus, beging Körperverletzungen und zusammen mit den Unmündigen einen Raub mit einer Softgun.
Parfum diente als Brandbeschleuniger
In U-Haft brachte den jungen Wiener ein Großbrand, den er gemeinsam mit den zwei 13-Jährigen nachts in der stillgelegten Brotfabrik in Schwechat (NÖ) verursacht hat. „Was wollten Sie dort?“, fragt Herr Rat. „Wir wollten Geister jagen“, so die kindliche Antwort. – „Aus Langeweile“ seien sie auf die Idee gekommen, ein Lagerfeuer zu machen. Sie stapelten Holzbalken übereinander und besprühten diese mit Parfum, ehe sie das Feuerzeug zückten. Die Flammen breiteten sich rasant aus: „Wir wollten sie noch austreten, aber es war zu spät.“ – fünf Feuerwehren mussten kommen, um die Feuerbrunst zu löschen.
Mit Eierwürfen WG-Betreuer verletzt
Laut Jugendgerichtshilfe eskalierte die Situation mit Raphael bereits zuvor zusehend: „Er schafft es nicht, seine Gewaltbereitschaft zu unterdrücken und findet es lustig.“ Anfang August dürfte der Teenager so aufgebracht zur WG gekommen sein, dass ihn die Betreuer nicht gleich hereinließen. Daraufhin hat er die Hauseingangstüre eingetreten: „Ich wollte mir etwas zum Essen holen, aber die Betreuer sagten, ich solle mich zuerst beruhigen“, musste auch die Küchentüre daran glauben.
Dort holte der damals 14-Jährige Eier aus dem Kühlschrank und bewarf mit diesen seinen Betreuer, der dadurch eine Verletzung davontrug. Auch ein Raub, bei dem sie unter Einsatz einer Softgun fünf Euro ergatterten, geht auf das Konto von ihm und seinen Kompagnons.
Mildes Urteil: Sechs Monate bedingt
Nach dem Prozess, wo er als Ersttäter mit sechs Monaten bedingt davonkommt und enthaftet wird, gelobt Raphael Besserung: „Ich möchte wieder in die Schule gehen, eine Lehre machen und Tierpfleger werden.“ – bis dahin ist noch ein weiter Weg.
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