Der Rosentaler Nicolai Uznik (24) hat mit dem Seilklettern wohl abgeschlossen. Bei der EM in der Schweiz ab Dienstag ist er Titelverteidiger im Bouldern – und lässt kein gutes Haar am olympischen Modus: „Das interessiert eigentlich keinen!“
Klettern ist immer noch nicht richtig bei den Olympischen Spielen angekommen. Zwar waren die Events in Paris stark frequentiert – bei den Athleten stieß aber vor allem das Format auf Unmut: Im Rahmen der Kombination werden ja Punkte aus Bouldern und Lead zusammengezählt.
Olympiasieger lässt EM aus
Bei der EM in Villars (Schweiz) wird das olympische Format nun auch ausgetragen – mit nur sechs (!) Startern. Die Topstars von Paris wie Olympiasieger Toby Roberts oder Österreichs Bronze-Gewinner Jakob Schubert sind erst gar nicht vor Ort. Die restlichen Kletterer fokussieren sich lieber auf Bouldern und Lead als Einzeldisziplin.
Denn bei der EM gibt es auch dafür Medaillen. „So sollte es auch bei Olympia sein! Die Kombi interessiert eigentlich niemanden in der Kletterszene. Alle machen das nur wegen Olympia“, betont der Rosentaler Nicolai Uznik, der selbst ein „Opfer“ dieses Modus war.
Bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles muss es Einzel-Medaillen geben. Ich bin zuversichtlich, dass man auf uns Sportler hört.
Nicolai UZNIK, Boulder-Ass
„Der Spaß war weg“
Denn der Boulder-Spezialist, der ja 2022 in München EM-Gold holte, hatte nur wegen Olympia sein Training völlig umgestellt. „Ich habe durch das Lead-Klettern im Bouldern abgebaut – auch der Spaß war komplett weg.“ Der Tiefpunkt: die verpasste Olympia-Quali vor zwei Monaten in Ungarn!
„Seitdem habe ich kein Seil mehr in der Hand gehabt. Ich habe wieder das getan, was mir Spaß macht – das Feuer fürs Bouldern ist wieder da“, betont der 24-Jährige.
Bei der EM – am Dienstag geht’s mit der Quali los – legt Nicolai freilich den Fokus rein auf das Bouldern, lässt Kombi und Lead links liegen. „Dass in der Kombi so wenige Athleten starten, ist ein Signal – bei den Spielen in Los Angeles 2028 muss es in allen Einzeldisziplinen Medaillen geben. Ich bin sehr zuversichtlich, dass man auf uns Sportler hört“, betont Uznik.
Pötzi blieb konsequent auf der Lead-Wand
Darauf hofft auch Mattea Pötzi. Die Villacherin hat sich heuer im Lead-Weltcup in den Top 10 etabliert, die Quali für Paris gar nicht erst versucht. „Ich nehme Los Angeles nur in Angriff, wenn es Medaillen in den einzelnen Disziplinen gibt.“ Bei der EM geht es für sie am Mittwoch mit der Lead-Quali los.
Sie hat gute Erinnerungen an Villars – im Vorjahr kletterte sie da erstmals in ein Weltcup-Finale, wurde Achte. Seitdem ging ihre Form stetig bergauf und gipfelte heuer mit ihrem ersten Weltcup-Stockerl als Dritte in Briancon (Fr). „Klar hat man das im Kopf, wenn es an einem Ort schon einmal super gelaufen ist. Aber eigentlich sind alle Wände ähnlich, kommt’s vielmehr auf den Routenbau an.“
Wenn alles aufgeht, ist eine Medaille drin.
Mattea PÖTZI, Lead-Kletterin
In Abwesenheit einiger Favoritinnen – Olympiasiegerin und Dominatorin Janja Garnbret (Slo) fehlt ebenso wie Teamkollegin Jessica Pilz – hofft Pötzi bei der EM im 1200 Einwohner zählenden Bergdorf nun auf den ganz großen Coup. „Wenn alles aufgeht, ist eine Medaille drin!“ Heute steigt die Quali. Semifinale und Finale sind für Samstag geplant.
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