Do, 18. Oktober 2018

Ja, spinnen die?

06.09.2005 17:09

Schwulen-Parade im Elend von New Orleans

Mitten im Elend der Katastrophe von New Orleans haben einige Unentwegte in Baströckchen und Badeanzug die jährliche Schwulen-Parade gefeiert. Mit dem Umzug wollten die Organisatoren die Stadt "ein bisschen aufmuntern" – nach dem Motto "Das Leben geht weiter".

Sieben Freunde, die seit dem Hurrikan "Katrina" in einer kleinen Wohnung ausgeharrt hatten, haben die Parade gestartet. Insgesamt 20 bis 30 Menschen zogen verkleidet durch die trockenen Straßen des Amüsierviertels French Quarter. "Wir versuchen, die Leute ein bisschen aufzumuntern", sagte die 21-Jährige Candice Jamieson, die in einem Spitzenrock mit roten Punkten und einem lilafarbenen Sonnenschirm durch die Straßen tanzte.  

Einige Männer liefen in Baströckchen durch die Stadt und tranken Cocktails aus Plastik-Wasserflaschen. Vom einzigen bevölkerten Balkon in der Royal Street warfen Zuschauer, wie bei der Schwulen-Parade üblich, Plastikketten auf die Teilnehmer. Normalerweise ist das Festival "Southern Decadence" ein mehrtägiges Fest mit Tausenden Besuchern.  

Die Teilnehmer des improvisierten Umzugs wehrten sich gegen den Vorwurf, eine solche Feier sei geschmacklos. Michael Skidmore sagte, New Orleans brauche bei all der Verwüstung dringend ein bisschen Freude. "In New Orleans feiern wir den Tod. Wenn jemand stirbt, gehen die Leute auf die Straße und singen", sagte Diana "Stray Dog". "Zwischen all den Tränen und dem Kummer haben wir ein großes Herz, und das wird nicht sterben."

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