Di, 25. September 2018

Neue Ära bricht an

20.12.2012 15:33

Backhausen geht an Gruppe um Ex-Kanzler Gusenbauer

Für die österreichische Traditions-Textilfirma Backhausen wird ein neues Kapitel aufgeschlagen: Nach über 160 Jahren im Besitz der Familie Backhausen ist das Unternehmen an eine österreichische Investorengruppe rund um Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und die Hypo Niederösterreich verkauft worden. Ein Einstieg des austro-saudischen Scheichs Mohamed Bin Issa Al Jaber scheiterte ebenso wie ein Investment einer Gruppe um den indischen Seidenfabrikanten Chamundi Silks. Der Sanierungsplan wurde abgelehnt und mündete in einem Konkurs.

Einst stattete das Textilunternehmen Wiener Repräsentationsbauten wie die Staatsoper, das Parlament und das Kaiserhaus aus, woraufhin ihm 1888 der Titel "K. & K. Hoflieferant" verliehen wurde. Sehe man von den Kriegsjahren ab, habe es nie gröbere Schwierigkeiten in dem Betrieb gegeben, sagte Ex-Firmenchef Reinhard Backhausen am Donnerstag. Die Wirtschaftskrise ab 2008 traf die Firma dann hart, die Umsätze brachen ein, zahlreiche Projekte mussten auf Eis gelegt werden. Die Konkurrenz aus Asien verschärfte den Druck zusätzlich.

Im Jahr 2010 fuhr das Unternehmen bei einem Umsatz von 11,98 Millionen Euro unter dem Strich einen Verlust von rund 647.000 Euro ein. Die Bilanz für das Jahr 2011 gibt es immer noch nicht.

Im Testat für 2010 hielt der Wirtschaftsprüfer Deloitte fest: "Ohne den Bestätigungsvermerk einzuschränken, weisen wir darauf hin, dass der Fortbestand der Gesellschaft wesentlich davon abhängt, ob der im Jahr 2011 festgelegte Restrukturierungsplan sowie die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Finanzierung der Gesellschaft in den Jahren 2011 und 2012 umgesetzt werden."

Al Jaber wurde an Bord geholt - Aus für Backhausen
Die größte Backhausen-Gläubigerin Hypo Niederösterreich drängte, einen Investor an Bord zu holen und schlug ausgerechnet Al Jaber vor. Investments des Scheichs mit österreichischem Pass erwiesen sich hierzulande schon des Öfteren als Fata Morgana. Das erfuhren vor Backhausen auch die Skifirma Kneissl und die AUA. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Backhausen-Brüdern verkündete Al Jaber Ende September seinen Mehrheitseinstieg bei Backhausen. Um die Stoffproduktionsfirma zu retten, hätte Al Jaber 3,2 Millionen Euro zuschießen sollen. Er zahlte jedoch nur 350.000 Euro und blieb 2,85 Millionen Euro bis zum letztmöglichen Zeitpunkt schuldig. Daraufhin reichte es der Hypo, das Sanierungsverfahren wurde eingeleitet.

Familie und rund 40 Mitarbeiter müssen gehen
Nach der Übernahme durch die neuen Investoren verlieren bei der Textilfirma Backhausen nun bis zu 40 Beschäftigte ihren Job. In der Produktion in Hoheneich im Waldviertel müssen zwischen zehn und 20 der 80 Mitarbeiter gehen. Außerdem werde das Geschäft im ersten Bezirk in Wien in der Schwarzenbergstraße nicht weiter betrieben, hieß es am Donnerstag. Dadurch verlieren noch einmal etwa 20 Mitarbeiter ihren Job. Das Outlet im zehnten Bezirk hingegen soll bestehen bleiben. Dort arbeiten fünf Personen.

Die Familie Backhausen werde in dem neuen Unternehmen keine Rolle mehr spielen, hieß es weiter. Damit ist die Hoffnung von Ex-Firmenchef Reinhard Backhausen auf eine Weiterbeschäftigung gestorben. "Ob die Erfahrung und Kontakte von mir und meinem Bruder gebraucht werden, weiß ich nicht", meinte der Ex-Firmenchef. So kurz vor Weihnachten sei das alles "ein harter Schlag". "Wir waren mit Herzblut dabei, und jetzt hat man uns die Firma entrissen."

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