Frankreich 2:1 besiegt

Finale! Spanien rupft „gallischem Hahn“ die Federn

Fußball EM
09.07.2024 22:54

Alea iacta est, die Entscheidung ist gefallen – Spanien steht dank eines 2:1 gegen Frankreich als 1. Finalist der EM 2024 fest! Anders als bei ihrem letzten Aufeinandertreffen auf deutschem Boden im WM-Achtelfinale 2006 (1:3) setzte sich diesmal die „Furia Roja“ durch – die nun auf ihren 4. EM-Titel nach 1964, 2008 und 2012 hoffen darf ...

„¡No Pasarán!“ – gewohnt martialisch hatte die französische Sport-Tageszeitung „L’Equipe“ im Vorfeld der Partie den spanischen Halbfinal-Gegnern in deren Sprache ausgerichtet, dass es für sie „kein Durchkommen“ geben würde. Dass sie es nicht mehr „nur“ mit deutschen, georgischen oder kroatischen Verteidigern zu tun bekommen würden, sondern mit jenen von „Les Bleus“. Eines Teams, das im Verlauf des bisherigen Turniers nur ein Tor kassierte (Bestwert!) und die meisten Partien ohne Gegentreffer überstand (4).

(Bild: Associated Press)
(Bild: AFP or licensors)

Dembélé für Griezmann in „Les Bleus“-Startelf
„Wenn du dich gelangweilt fühlst, schau etwas anderes!“ – da bisher jegliche Kritik an der Spielweise seiner Mannschaft an Didier Deschamps abgeprallt war, verwunderte es nicht, dass der Teamchef „Les Bleus“ im seiner Meinung nach bewährten und optimalen 4-3-3 auflaufen ließ. Und im Vergleich zum Viertelfinal-Duell mit Portugal brachte er auch nur Ousmane Dembélé für Antoine Griezmann als rechten Flügelstürmer und im Mittelfeld Adrien Rabiot für Eduardo Camavinga.

Deschamps-Gegenüber Luis de la Fuente änderte seine Startelf im Vergleich zum Thriller gegen Deutschland an drei Positionen: Für die Gelb-gesperrten Verteidiger Dani Carvajal und Robin Le Normand rückten Alt-Star Jesús Navas (38 Jahre alt!) und Nacho ins in einem 4-2-3-1 auflaufende Team – zudem Dani Olmo für den verletzten Pedri.

(Bild: AFP)

Mbappé ohne Gesichtsmaske im Einsatz
So erwartbar diese personellen Änderungen und so erwartbar die Spielcharakteristik in den ersten Minuten mit Spanien im Vorwärtsgang auch gewesen sein mögen – unerwarteterweise gab es erstmals seit dem Österreich-Spiel zum französischen EM-Auftakt Kylian Mbappé ohne Gesichtsmaske zu sehen und unerwartet kam auch, dass Spaniens „Deutschland-Schreck“ Marc Cucurella bei praktisch jeder Ballberührung von deutschen (und französischen?) Fans konsequent ausgepfiffen wurde.

(Bild: AFP/APA/JAVIER SORIANO)

Erwartbar gehörte die erste gute Chance des Spiels in Minute 5 dann der „Furia Roja“, wobei Fabián Ruiz nach Flanke von Lamine Yamal allerdings knapp über die Querlatte köpfelte. Dass vier Minuten später Randal Kolo Muani mit einem Kopfball nach Mbappé-Vorarbeit zum 1:0 für den Vizeweltmeister traf (9.), war wiederum so nicht erwartbar gewesen – nachdem „Les Bleus“ bei diesem EM-Turnier bis zu diesem Zeitpunkt bei 86 Abschlüssen noch nie aus dem Spiel heraus ein Tor erzielt hatten.

(Bild: AFP)

Partie rund 15 Minuten nach 0:1 gedreht
Ein erfolgreicher Versuch der Zähmung der widerspenstigen „Furia Roja“? Mitnichten! Denn nach einer kurzen Phase des kollektiven spanischen Durchschnaufens war die Partie rund 15 Minuten später gedreht: Zunächst war es Wunderkind Lamine Yamal, der rechts die Strafraum-Grenze entlang nach innen tänzelnd plötzlich abzog – aus rund 18 Metern ins linke Kreuzeck traf (21.) und damit ab sofort der jüngste EM-Torschütze aller Zeiten ist.

Noch bevor der Jubel ihrer Fans so richtig abgeebbt war, stand es wenig später bereits 2:1 für Spanien: Eine von William Saliba suboptimal abgewehrte Flanke nahm Dani Olmo im Strafraum elegant an, ließ dann Aurélien Tchouaméni mit einem Haken wie einen Hydranten aussteigen und schoss dann scharf Richtung langes Eck – der Rettungsversuch von Jules Koundé kam zu spät und der Ball schlug im Gehäuse der Franzosen ein (25.).

(Bild: AFP)

Abwehr-Reihen agierten nun gewissenhafter
Den Zuschauern war in den ersten 25 Minuten eine wahrlich spannende und hochklassige Partie geboten worden – und das Duell zwischen dreifachem und zweifachem Europameister wusste auch weiterhin zu begeistern. Allein: Die Abwehr-Reihen agierten nach der turbulenten Phase zwischen der 9. und der 25. Minute nun gewissenhafter – hochkarätige Tor-Chancen gab es bis zum Pausenpfiff keine mehr.

Stets wussten sich Dayot Upamecano und Co. sowie Cucurella und Co. mit einem Fuß, einem Bein, einem Kopf oder sonst irgendeinem legalen Körperteil bei Schüssen oder Flanken des Gegners zu helfen.

Frankreich-Goalie Maignan reagierte blitzschnell
Ohne Veränderungen in personeller oder taktischer Hinsicht, aber mit einem Aufreger auf spanischer Seite begann dann die zweite Spielhälfte der vom slowenischen Schiedsrichter Slavko Vinčić geleiteten Partie: Fabián Ruiz überrumpelte die aufgerückten Franzosen mit einem weiten Pass auf den halblinks durchgestarteten Nico Williams – doch „Les Bleus“-Goalie Mike Maignan hatte aufgepasst und kam in extremis gerade noch vor dem spanischen Offensiv-Mann am Ball (46.).

(Bild: Associated Press)

Abgesehen von dieser frühen Chance für die „Furia Roja“ zeigte nun das im Turnier so lange so behäbig aufgetretene Frankreich, dass man auch anders kann. Das Bemühen der Mannen von Teamchef Deschamps war klar ersichtlich und auch ihr Offensiv-Drang auf dem Münchner Halbfinal-Rasen nicht mit jenem der früheren Spiele vergleichbar.

(Bild: AFP)

„Französische Renaissance“ wollte nicht gelingen
Gegen die ungemein ballsicheren und umsichtig verteidigenden Spanier, die mit der 2:1-Führung im Rücken zwar weiterhin ihre Nadelstiche nach vorne setzten, aber nicht mehr absolutes Risiko eingingen, wollte es freilich nichts mehr werden mit der „französischen Renaissance“. Auch weil Dembelé aus spitzestem Winkel an Goalie Unai Simón scheiterte (60.), Upemacano nach Idealflanke von Dembelé einen Kopfball knapp neben das Tor setzte (63.) und wenig später Théo Hernandez nach einem Gustostückerl Mbappés, der einen langen Ball gefühlvoll herunterpflückte, einen Spanier aussteigen ließ und danach per Ferse zu ihm spielte, die Chance im Strafraum vertändelte (65.).

Erneut Théo Hernandez (76./von der Strafraum-Grenze weit drüber) und Mbappé (86./nach Haken nach innen aus 15 Metern drüber) vergaben schließlich die letzten Einschussmöglichkeiten – ohne überhaupt Spaniens Kasten zu treffen. So gab es für den „gallischen Hahn“ an der Niederlage nichts mehr zu rütteln und die „Furia Roja“ zog ins Finale ein.

Das Ergebnis:
Spanien – Frankreich 2:1 (2:1)
München, Allianz-Arena, 70.000 Zuschauer, Schiedsrichter Slavko Vinčić (SVN)

Tore: 0:1 (9.) Kolo Muani, 1:1 (21.) Lamine Yamal, 2:1 (25./Eigentor) Koundé

Gelbe Karten: Navas, Yamal bzw. Tchouameni, Camavinga

Spanien: Simon – Navas (58. Vivian), Nacho, Laporte, Cucurella – Rodri, Ruiz – Yamal (93. F. Torres), Olmo (76. Merino), N. Williams (94. Zubimendi) – Morata (76. Oyarzabal)
Frankreich: Maignan – Kounde, Upamecano, Saliba, T. Hernandez – Kante (62. Griezmann), Tchouameni, Rabiot (62. Camavinga) – Dembele (79. Giroud), Kolo Muani (63. Barcola), Mbappe

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