Seit kurzem läuft die kostenfreie Impfaktion gegen Humane Papillomaviren (HPV). Doch nur 40 Prozent der steirischen Gynäkologen verabreichen die Spritze! Der Grund für etliche: aufwendiger Papierkram.
Am 1. Juli ist in ganz Österreich die kostenfreie Impfaktion gegen Humane Papillomaviren (HPV), die Krebsvorstufen und Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses, aber auch an Geschlechtsteilen sowie Rachen und Kehlkopf verursachen können, für alle zwischen 9 und 30 Jahren angelaufen. Impfen kann zum Beispiel der Hausarzt, aber natürlich auch die Gynäkologen. Doch es herrscht Stunk. Nur 40 Prozent der steirischen Frauenärzte haben sich tatsächlich dazu entschlossen, die Impfung zu verabreichen.
Das kann ich meinen Mitarbeitern nicht auch noch antun. Eine Zettelwirtschaft sondergleichen! Warum kann man das nicht elektronisch lösen? Das System ist ja vorhanden!
Ein verärgerter Gynäkologe
Unüberwindbare Zettelwirtschaft?
Nein, sie zweifeln keinesfalls an der hohen Wirksamkeit des Impfstoffs. Viele sehen sich aufgrund der dadurch auf sie zukommenden Zettelwirtschaft schlichtweg nicht in der Lage, den Mehraufwand zu bewältigen. „Das kann ich meinen Mitarbeitern nicht auch noch antun“, sagt ein Gynäkologe, der anonym bleiben möchte, zur „Krone“. Das Problem seiner Meinung nach: „Jeder impfwillige Arzt muss sich zuerst bei der wissenschaftlichen Vereinigung für Allgemeinmedizin registrieren. Danach bekommt man einen Haufen Stammdatenblätter per Post zugeschickt. Nach erfolgter Impfung müssen wir die Stammdatenblätter per Post wieder retour schicken. Eine Zettelwirtschaft sondergleichen! Warum kann man das nicht elektronisch lösen?“, versteht der Mediziner die Welt nicht mehr. Und kritisiert weiter: „Da haben wir ein elektronisches System und nutzen es nicht.“
Wieso sollten wir extra für die Steiermark ein neues System aufstellen und zusätzliches Geld ausgeben, wenn es in den nächsten Jahren ohnehin ein bundesweites geben wird. Vermutlich besteht die Sorge, weil Gynäkologen mit einem kostenfreien Impfkonzept noch keine Berührung gehabt haben.
Michael Adomeit, Impfreferent steir. Ärztekammer
Michael Adomeit, Impfreferent der steirischen Ärztekammer, kann die Aufregung nicht verstehen: „An der kostenlosen Impfaktion hat sich in der Steiermark in den letzten 25 Jahren nichts geändert. Die Kompetenzen wurden auf die einzelnen Bundesländer übertragen. Der Aufwand in der Steiermark hält sich im Vergleich zu anderen Bundesländern in Grenzen. Und ohne Dokumentation kann nicht nachvollzogen werden, wer was wann bekommen hat. Und Ärzte würden ihr Geld nicht bekommen.“ Dass den Frauenärzten die Zettelwirtschaft ein Dorn im Auge ist, kommentiert Adomeit so: „Wieso sollten wir extra für die Steiermark ein neues System aufstellen und zusätzliches Geld ausgeben, wenn es in den nächsten Jahren ohnehin ein bundesweites geben wird. Ich vermute, die Sorge beruht eher darauf, dass die Gynäkologen mit einem kostenfreien Impfkonzept noch keine Berührung gehabt haben. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich das ändert.“
Zusätzlich versucht die Fachgruppe der Gynäkologen daher in einem Schreiben an die Kollegen, diese doch noch für eine Teilnahme zu motivieren. Mit Erfolg? Das wird sich weisen...
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