Rainer Nowak Talk

Schellhorn: „Europa ist nicht mehr so wichtig“

Politik
29.05.2024 22:00

Das „Nein“ zum Mercosur-Abkommen schadet Österreich und Europa, findet Ökonom Franz Schellhorn. „Unsere Bedeutung schwindet massiv, wir Europäer sind nicht mehr so wichtig, wie wir glauben“, so der Direktor und Leiter der Agenda Austria im „Rainer Nowak Talk“ auf krone.tv. Ohne internationale Kooperationen schwinde der Wohlstand.   

Die ÖVP lasse sich wegen eines „depperten Rindsfilet“ und „ein paar Kilo Rindfleisch“ vom Bauernbund an die Kandare nehmen, sagte NEOS-Mandatar Gerald Loaker. Landwirte und Klimaschützer reagierten entsetzt. So wie das Abkommen derzeit auf dem Tisch liege, komme es nicht in Frage, sagt Alexander Bernhuber (ÖVP) dazu im „Rainer Nowak Talk“.

Heimisches Rindfleisch vs. Container-Schiffe
Und weiter: „Wo Rindfleisch gegen Autos getauscht wird und tausende Teile edelste Steaks auf den europäischen Markt kommen sollen, ohne dass geschaut wird, zu welchen Standards produziert wird.“ Den Bauern in Österreich werden hohe Standards vorgeschrieben und gleichzeitig sollen Container-Schiffe voller Rindfleisch importiert werden. „Hier kann man nicht sagen, das ist ein fairer Wettbewerb.“

Alexander Bernhuber (ÖVP) (Bild: Reinhard Holl)
Alexander Bernhuber (ÖVP)

Schellhorn: „Wir Europäer sind nicht mehr so wichtig ...“
Die Landwirte seien ein wichtiger Sektor, aber sie können nicht bestimmend sein für 99 Prozent der Bevölkerung, sieht Ökonom Schellhorn die Causa deutlich differenzierter. „Bekommen wir dieses Abkommen nicht hin, wird Europa immer mehr ins Abseits geraten. Wir Europäer sind nicht mehr so wichtig, dass wir in der Welt herum jetten können und allen sagen können, welche Öko- und Sozialstandards sie einzuhalten haben.“

Ökonom Franz Schellhorn (Bild: Reinhard Holl)
Ökonom Franz Schellhorn

Andere Abhängigkeiten
In dieselbe Kerbe schlägt Wirtschaftswissenschafterin Monika Köppl-Turyna. Sie bringt die strategische Abhängigkeit anderer Ressourcen ins Spiel: „Lithium-Bestände, die in Südamerika die größten der Welt sind, werden wir dringend brauchen, allein schon für die Klimawende. Weil wir ohne Batterien einfach nicht auskommen, mit der Elektrifizierung der Wirtschaft. Es sei typisch, dass das Freihandelskommen einen immer schlechteren Ruf hätte. „Man schaut hier immer auf den kurzfristigen Nutzen.“

Wirtschaftswissenschafterin Monika Köppl-Turyna. (Bild: Reinhard Holl)
Wirtschaftswissenschafterin Monika Köppl-Turyna.

SPÖ und Mercosur
SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch sieht das Mercosur-Abkommen vor allem aus sozial- und umweltpolitischer Sicht kritisch: „16.000 Container-Schiffe überqueren die Meere täglich und dann reden wir von Klimawandel und Klimaschutz.“ Man dürfe schon als Konsument auch die Frage stellen, ob es am österreichischen Teller Rindfleisch aus Südamerika sein müsse.

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch (Bild: Reinhard Holl)
SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch

Wenn darüber gesprochen werde, wie Europa in Zukunft zwischen den anderen Märkten bestehen solle, dann soll sich Europa (Brüssel) auch überlegen, wie man die Märkte wieder fit macht im Sinne von „Europe first“. Muchitsch: „Wenn wir überbleiben als ein Europa zwischen Asien, Amerika und Südamerika, dann werden wir Handelsabkommen brauchen, weil sich der Konsument sonst nichts mehr leisten kann.“

Die Runde diskutierte noch über weitere wirtschaftliche Themen, mehr dazu sehen Sie im Video oben!

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