Probleme bei Jobsuche

Wo es bei Zuwanderern am Arbeitsmarkt hakt

Wirtschaft
28.05.2024 06:00

Die Zuwanderung stellt auch den Arbeitsmarkt auf die Probe. Während bei Bosniern, Rumänen und Serben rund 70 bis 80 Prozent einer Beschäftigung nachgehen, sind es bei Syrern, Afghanen und Ukrainern unter 50 Prozent. Die Gründe sind vielfältig, die Deutschkenntnisse offenbar nicht das Ausschlaggebende, zeigt eine Auswertung des Integrationsfonds (ÖIF).

Im Schnitt dauert es bei Migranten anderthalb Jahre, bis sie einen Beruf finden, ausgewertet wurden Zahlen zu Personen, hauptsächlich aus Drittstaaten, konkret aus Bosnien, Rumänien, Serbien, Türkei, Afghanistan, Algerien, Marokko, Tunesien, Russland, Syrien, Rumänien und der Ukraine, die vor maximal 15 Jahren nach Österreich kamen. Den höchsten Bildungsstand haben Ukrainer – über 50 Prozent sind Akademiker. Auch bei Menschen aus dem Nordwesten Afrikas hat jeder Dritte einen Hochschulabschluss. Eher schlecht qualifiziert sind hingegen Afghanen und Türken, hier hat gut die Hälfte nur maximal einen Pflichtschulabschluss, bei Syrern über 40 Prozent.

Das spiegelt sich aber nicht unbedingt bei der Jobsuche wider. Ukrainer geben mit 85 Prozent am häufigsten an, schwierig bis unmöglich eine Stelle zu finden, am leichtesten fällt es Rumänen und Türken. Serben und Bosnier gehen insgesamt am häufigsten einer Arbeit nach (siehe Grafik), sie kommen auch meist als Arbeitsmigranten nach Österreich, mit dem klaren Ziel eines besser bezahlten Berufs. Syrer etwa sind hingegen zu einem großen Teil Flüchtlinge und sehen sich dann erst in weiterer Folge nach einer Anstellung um. Teils sind sie auch wegen laufender Asylverfahren für den Arbeitsmarkt de facto blockiert.

(Bild: Krone KREATIV)

Nach sechs Jahren ist nur jeder zweite Zuwanderer in Beschäftigung
Oft ist jedoch nicht einmal der Eintritt in den ersten Job das Problem, sondern vielmehr die Verfestigung am Arbeitsplatz. Nach sechs Jahren sind rund die Hälfte der Migranten arbeitslos, obwohl viele bis dorthin, mitunter kurzfristig, bereits gearbeitet haben. Alarmierend ist, dass etwa in der Bundeshauptstadt Wien Dreiviertel der Syrer in der Mindestsicherung leben.

Doch welche sind die Gründe, warum viele Migranten nicht so gut ins Erwerbsleben finden. Häufig genannt werden die Deutschkenntnisse. Doch die Studie des Integrationsfonds zeigt, dass Deutschkenntnisse nicht die größte Hürde zu sein scheinen: Zwei Drittel mit geringen Deutschkenntnissen konnten in Österreich bereits Berufserfahrung sammeln. Nichtsdestotrotz erhöhen bessere Deutschkenntnisse klar die Chancen am Arbeitsmarkt.

Frauen aus islamischen Ländern waren häufig auch in ihrem Heimatland nicht erwerbstätig. (Bild: P. Huber)
Frauen aus islamischen Ländern waren häufig auch in ihrem Heimatland nicht erwerbstätig.

Entscheidender als die sprachlichen Fähigkeiten sind laut ÖIF-Expertin Keri Hartmann folgende Faktoren:

  • Kinderbetreuung: Wenn ausländische Familien in Österreich leben, fehlt es mitunter an passenden Betreuungen, wodurch zumindest ein Elternteil zu Hause bleibt.
  • Geschlecht: Frauen sind seltener im Arbeitsleben. Das hängt auch mit der Vorgeschichte zusammen. Unter den Afghaninnen waren etwa weniger als 40 Prozent vor dem Zuzug nach Österreich erwerbstätig. Ein Grund dafür sind auch gesellschaftlichen Rollen in islamischen Ländern.
  • Bildungsstand: Das kann sich in beide Richtungen auswirken. Während viele Asylwerber, die maximal einen Pflichtschulabschluss vorweisen, nur für Niedriglohnsektoren infrage kommen, sind manche Zuwanderer, etwa aus der Ukraine, sogar überqualifiziert.
  • Wohnort: Die meisten Flüchtlinge ziehen nach Wien, dort sind aber die Berufschancen oft nicht optimal, weil die Anforderungen nicht mit den Ausbildungen der Zuwanderer zusammenpassen. Flüchtlinge mit Wohnort Wien weisen eine um fast 15 Prozentpunkte niedrigere Wahrscheinlichkeit auf, schon in Österreich erwerbstätig gewesen zu sein, als im restlichen Österreich.
  • Fehlende soziale Kontakte: Flüchtlinge oder Arbeitsmigranten aus Drittstaaten fehlt häufig das soziale Netz, um sich schnell in die Gesellschaft zu integrieren. Dabei wäre hier der Arbeitsmarkt sogar der wichtigste Hebel, der Einstieg ist in diesem Fall entscheidend.

Ukrainer gut qualifiziert, aber oft nicht langfristig in Österreich
Besonderheiten gibt es bei den ukrainischen Vertriebenen. Hier sind Zahlen mitunter mit Vorsicht zu genießen, da viele ja erst vor Kurzem nach Österreich kamen. Neben den außergewöhnlich guten Qualifizierungen, kommt als weiterer Faktor hinzu, dass viele Ukrainer beabsichtigen, möglichst bald in ihre Heimat zurückzukehren, weswegen sie sich teils weniger auf Arbeitssuche begeben. Syrer, Afghanen und Türken streben hingegen eher einen längeren Verbleib an.

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