Fr, 22. Juni 2018

"Concordia"-Unglück

16.10.2012 17:39

Schettino: "Ich habe vielen das Leben gerettet"

Der zweite Beweissicherungstag in der Causa "Costa Concordia" ist ganz im Zeichen eines Gutachtens gestanden, welches die Reederei des am 13. Jänner havarierten Kreuzfahrtschiffes laut Angaben des Rechtsanwalts von Costa Crociere, Marco De Luca, entlasten dürfte. Kapitän Francesco Schettino beharrt indessen weiterhin darauf, dass er durch seine Taten zahlreichen Passagieren das Leben gerettet habe.

Der 52-jährige Unglückskapitän, dem für jedes einzelne Todesopfer 15 Jahre Haft wegen fahrlässiger Tötung drohen, beteuerte gegenüber deutschen Überlebenden am Rande der Beweissicherung, dass er mithilfe eines Manövers nach der Kollision mit einem Felsen vor der Küste der toskanischen Insel Giglio weitere Todesopfer verhindern konnte.

"Ich habe Ihnen und vielen Passagieren das Leben gerettet", sagte Schettino nach Angaben von Michael Liessem, der sich mit seiner Frau Angelika mit dem Kapitän am Rande des laufenden Beweissicherungstermin unterhielt. Schettino nimmt an der Beweissicherung zwar freiwillig teil, darf aber nicht vor dem Gericht zu Wort kommen. Der Kapitän habe demnach, von den Deutschen angesprochen, gesagt, er habe eine "viel größere Tragödie" verhindert.

US-Anwalt: "Sicherheitsstandards sind niedrig"
Dass nun ein Sachverständigengutachten die Reederei weitgehend entlastet, tut für Schettino nichts zur Sache. Auch die Anwälte einiger Opfer halten nach wie vor an der These fest, dass das Unternehmen aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen für das Ausmaß der Katastrophe verantwortlich zu machen sei. So behauptet US-Anwalt John Arthur Eaves, das Unglück wäre nicht geschehen, wenn der Schiffseigner die "nötigen Standards" aufgestellt und eingehalten hätte. "Das Unglück hat sich vor der Insel Giglio ereignet, doch es hätte überall stattfinden können. Die Sicherheitsstandards Carnivals (jenem US-Unternehmen, in dessen Besitz sich Costa Crociere befindet; Anm.) sind niedrig", betonte der Rechtsanwalt.

Gutachten entlastet laut Anwalt Reederei
Anders der Rechtsanwalt der Reederei: Seinen Angaben zufolge haben die Sachverständigen in dem am Dienstag dem Gericht vorgelegten Gutachten hervorgehoben, "dass das Schiff in der Unglücksnacht so schnell mit Wasser vollgelaufen und gekentert ist, dass die Kriseneinheit dem Schiff keinerlei sinnvolle technische Hilfe geben konnte". 50 Sekunden nach der Havarie sei das Schiff unkontrollierbar gewesen, zitierte Verteidiger Marco De Luca aus dem Gutachten. Nachdem die Kriseneinheit von der Havarie erfahren habe, habe sie demnach mit den Hafenbehörden aktiv zusammengearbeitet, um den Passagieren Hilfe zu leisten. De Luca sieht das Kreuzfahrtunternehmen damit entlastet.

Sehr großer Andrang beim Beweissicherungsprozess
Wie auch am Montag lief der Beweissicherungsprozess am Dienstag hinter verschlossenen Türen. Dabei soll unter anderem auf Grundlage der Daten aus der "Black Box" und nach Anhörung von Gutachtern entschieden werden, ob ein Strafverfahren eröffnet wird. Eine Entscheidung, wer wegen der Havarie angeklagt werden soll, könnte in den nächsten Tagen fallen. Aufgrund des großen Andrangs sowohl im als auch außerhalb des Gerichts hatte man den Prozess in den Theatersaal verlegt.

Bergung verzögert sich
In der Zwischenzeit laufen die Bergungsarbeiten des Luxusliners, diese werden sich aber verzögern. Die Verspätung sei unter anderem auf die schwierigen Wetterbedingungen der vergangenen Wochen zurückzuführen. "Das Wrack wird bestimmt innerhalb des nächsten Frühjahrs weggebracht", versicherte Silvio Bartolotti, Geschäftsführer des italienischen Unternehmens Micoperi, das gemeinsam mit der US-Firma Titan Salvage die Bergung durchführt.

Beim Unglück vor der italienischen Insel Giglio war die "Costa Concordia" mit 4.200 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord gekentert, darunter 77 Österreicher. Mindestens 30 Menschen starben, zwei gelten offiziell noch als vermisst.

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