Mi, 21. November 2018

Wind zu stark

09.10.2012 22:01

Stratos-Mission kurz vor dem Start abgebrochen

Der für Dienstag angesetzte Stratosphären-Sprung von Felix Baumgartner ist abgesagt worden. Zu starker Wind über dem Flugfeld in Roswell im US-Bundesstaat New Mexico verhinderte den Start des riesigen Heliumballons gegen 19.45 Uhr MESZ. Wann ein neuer Versuch gestartet wird, ist noch nicht fix, das Team rund um den Salzburger nahm aber vorerst den Donnerstag ins Visier. Nach dem offiziellen "Mission Abort" stand Baumgartner die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Baumgartner hatte am Dienstag bereits seinen Anzug angelegt und in einem Trailer das Pre-Briefing absolviert. Dabei musste der 43-Jährige reinen Sauerstoff einatmen, um den Stickstoff aus dem Blut zu bekommen. Danach war er mit dem Trailer zur Kapsel gefahren worden, die er kurz vor 19 Uhr bestieg. "Ready to go", funkte er an Mission Control, wie das Stratos-Team via Twitter mitteilte.

Doch kurz vor 19.45 Uhr dann die enttäuschende Gewissheit: Der Start des Ballons, der die Kapsel in die Stratosphäre bringen sollte, wurde abgebrochen. Der Wind erwies sich letztlich als zu stark, um einen sicheren Aufstieg zu gewährleisten. Ein nächster Versuch könnte am Donnerstag erfolgen, man müsse jedoch erst die nächsten Wetter-Updates abwarten, hieß es.

Zu starker Wind in rund 200 Metern Höhe hatte am Dienstag den Launch schon zuvor mehrmals verhindert. Erst am späten Nachmittag hatte grünes Licht für die Mission gegeben werden können. Laut letzten Informationen der Mission Control hätte der Ballon bis etwa 20 Uhr MESZ abheben und Baumgartner dann nach knapp drei Stunden Aufstieg seinen Stratosphären-Sprung aus über 36,5 Kilometern Höhe absolvieren sollen.

Vier neue Rekorde sollen aufgestellt werden
Beim Stratos-Sprung sollen drei bestehende Rekorde gebrochen werden: Zum einen der höchste bemannte Ballonflug (36.576 Meter) sowie der höchste Fallschirmsprung und der längste freie Fall - ungefähr fünfeinhalb Minuten. Zudem sollte Baumgartner als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrechen (siehe Bericht in der Infobox: Baumgartners Sprung in Zahlen). Im März gelang der erste Testsprung erfolgreich aus rund 21,8 Kilometern, im Juli erfolgte der zweite Sprung aus rund 30 Kilometern.

Stratos hat auch wissenschaftliche Relevanz. Bei der Aktion sollen Aufzeichnungsgeräte, die an Baumgartners Brust platziert sind, Daten liefern. Das wäre besonders dann interessant, wenn der Salzburger bei dem Sprung aus 36 Kilometern Höhe die Schallmauer durchbrechen sollte. "Wir haben nur Daten von Menschen, die in einem Flugzeug die Schallmauer durchbrochen haben", erklärte der Leiter des "Red Bull Stratos"-Ärzteteams, Jonathan Clark.

"36 Kilometer sind erst der Anfang"
Der Weltraummediziner war sechs Mal als Mediziner in einem Spaceshuttle und ist als Assistenzprofessor für Neurologie und Raumfahrtmedizin am Baylor College für Medizin tätig. Man erarbeite seit geraumer Zeit Ausstiegsszenarien für Raumfahrer in Notfällen, meinte Clark. Auch für Weltraumtouristen könnten die umfangreichen Daten, die durch den Sprung von Baumgartner gewonnen werden sollen, interessant sein. "Was wir hier tun, ist nicht einfach einen Rekord zu brechen", so Clark. "Es ist ein Anfang." Für den Mediziner ist bei 36 Kilometern nämlich noch lange nicht Schluss. Es gebe Tests bei der NASA, noch höher zu gehen.

Ohne Anzug würde Baumgartner innerlich kochen
Was beim Aufstieg und beim Absprung mit dem menschlichen Körper passieren kann, erläuterte Clark sehr plastisch. Auf dem Weg hinauf würde Baumgartner bei rund 19,2 Kilometern die "Armstrong Linie" überqueren. Das sei der Punkt, ab dem der Luftdruck so gering wird, dass Körperflüssigkeiten ohne den Schutz eines Anzuges oder einer Kapsel verdampfen würden, sozusagen bei normaler Körpertemperatur "kochen" würden. Wie wenn man eine Flasche Limonade öffnen würde und der Druck werde abgelassen.

Das sei genau das, was im Blut und Gewebe von Baumgartner passieren würde, wenn er keinen Schutzanzug tragen würde. "Das kann sehr schnell tödlich enden." Als Beispiel nannte Clark den Rekordsprung von Joe Kittinger im Jahr 1960 aus einer Höhe von 31 Kilometern. Kittingers Handschuh war gerissen und seine Hand schwoll auf das Dreifache an. Erst vier Stunden nach der Landung ging die Schwellung wieder zurück.

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