Clinch mit Aktivisten

TU-Rektor: „Haben sich nicht an Abkommen gehalten“

Steiermark
05.05.2024 08:00

Zwischen der Letzten Generation und der TU Graz herrscht böses Blut: Rektor Horst Bischof nannte eine Protestaktion der Aktivisten während einer Lehrveranstaltung „störendes Geplärre“. Im Interview mit der „Krone“ spricht der TU-Chef nun über die Hintergründe und mögliche rechtliche Konsequenzen.

„Krone“: Als Rektor der TU Graz haben Sie für die Anliegen der Aktivisten der Letzten Generation kein Verständnis?
Horst Bischof: Ich habe das größte Verständnis für ihr Anliegen. Wir waren die erste Universität, die eine Roadmap zur Klimaneutralität 2030 entwickelt hat, und wir halten uns daran. Während ich vollstes Verständnis für die Sache habe, fehlt es mir aber für die Art und Weise.

Was hat im Endeffekt bei Ihnen das Fass zum Überlaufen gebracht?
Wir hatten uns im Vorfeld über verschiedene Formate, die die Letzte Generation durchführt, verständigt. Es wurde ausgemacht, dass sie am Anfang der Lehrveranstaltungen hineingehen. Es wurde eine Liste an Lehrveranstaltungen übermittelt, auch die Vortragenden wurden informiert.  Doch man hat sich nicht daran gehalten, und die Lehrveranstaltungen wurden mittendrin gestört. Eine Vortragende war nahe am Nervenzusammenbruch – da geht meine Sorgfaltspflicht als Rektor vor. Auch bei den Aufklebern hatten wir eigentlich einen Konsens: Sie plakatieren ihre Sprüche mit einem ablösbaren Stoff und wir nehmen sie nicht hinunter. Aber auch daran haben sie sich nicht gehalten.

Aktivisten der Letzten Generation wollen mit friedlichem zivilen Ungehorsam auf die Klimakrise aufmerksam machen. (Bild: Letzte Generation Österreich)
Aktivisten der Letzten Generation wollen mit friedlichem zivilen Ungehorsam auf die Klimakrise aufmerksam machen.

Daraufhin haben Sie die Protestaktionen als „störendes Geplärre“ bezeichnet – warum?
Wenn man sich an das bilaterale Abkommen gehalten hätte, wäre überhaupt nichts passiert. Aber wenn man mitten in der Lehrveranstaltung mit einem Megaphon hereinkommt, verstehe ich, dass man sich unglaublich schreckt. Also habe ich einen scharfen Brief formuliert. Darin stand, dass wir uns rechtliche Schritte vorbehalten. Wir haben uns auch ein Angebot eingeholt, was das Entfernen dieser Pickerl kostet, und haben die Verantwortlichen gebeten, das zu begleichen. Und ja, das Wort „Geplärre“ habe ich verwendet – mit einem Megaphon in der Vorlesung empfinde ich es nun einmal so. Aber wir sind weit entfernt von einer Klage.

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Und ja, das Wort „Geplärre“ habe ich verwendet – mit einem Megaphon in der Vorlesung empfinde ich es nun einmal so.

Horst Bischof, Rektor der TU Graz

Wie hat die Letzte Generation auf Ihr Schreiben reagiert?
Nachdem wir den Brief geschickt haben, gab es ein Schreiben von der Letzten Generation an uns, wo wir aufgefordert wurden, uns zu entschuldigen. Dann haben sie mit uns Kontakt aufgenommen und gemeint, sie wollen mit uns reden, bevor sie an die Medien gehen. Das haben wir positiv befürwortet. Aber dann ist man doch direkt an die Medien gegangen. Auch da wurde etwas ausgemacht, woran man sich nicht gehalten hat. Ich hätte den Ball viel lieber flach gehalten und das nicht über Medien gespielt. Diese Form hat die Letzte Generation gewählt.

Was wäre denn ein Weg für ein konstruktives Miteinander?
Eine Universität ist ein Ort des Diskurses. Man sollte über Dinge reden, aber nicht mit einem Megaphon in einem Vortragssaal stehen. Die Jugend kann eine andere Form des Protestes wählen, aber Handschlagqualität erwarte ich mir dennoch.

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