Die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in Innsbruck war am Sonntag an Spannung kaum zu überbieten. Sie brachte Sieger und Verlierer – und auch Überraschungen. Wo sind die Hochburgen der Parteien/Listen in der Landeshauptstadt? Und welche Altersklasse wählte wen? Diese und viele andere interessante Fragen beantwortet die Wahlanalyse der Stadt.
Gegenüber der Gemeinderatswahl 2018 hat die Anzahl der Wahlberechtigten um 3681 Personen abgenommen (-3,5%). „Das Minus geht zur Gänze auf den Rückgang bei den österreichischen Staatsbürgern zurück, deren Kontingent um 6588 Personen geschrumpft ist. Der Zuwachs bei den Unionsbürgern von 2907 Personen (+16,3%) konnte dieses Minus nicht kompensieren“, heißt es in der 100-seitigen Wahlanalyse der Stadt Innsbruck.
Über alle Altersgruppen gerechnet beträgt der Anteil der Unionsbürger 20 Prozent, in absoluten Zahlen sind es 20.788 unter den 100.564 Wahlberechtigten, davon fast 10.000 Deutsche.
Die SPÖ konnte ehemals an die FPÖ sowie an FI verlorene Wähler zurückgewinnen sowie auch bei enttäuschten ehemaligen Grün-Wählern punkten.
Wahlanalyse der Stadt Innsbruck
„Junge Wahlsprengel“ wählten Grün
In jungen Altersklassen steigt der Anteil der Unionsbürger aber fast auf bis zu 40 Prozent an. Annähernd zwei Drittel von diesen (13.617 Personen bzw. 65,5%) sind der Altersgruppe von 20 bis 39 Jahre zuzurechnen. Wie aus den Analysen hervorgeht, konnten vor allem die Grünen in den „jungen Wahlsprengeln“ ihre besten Ergebnisse erzielen.
Abschneiden in den jeweiligen Hochburgen
Wie sehr die einzelnen Parteien ihr Klientel zu mobilisieren vermochten, lässt sich anhand der Ergebnisse in den Parteihochburgen ablesen: „Betrachtet man die Veränderungen dort, so lässt sich zweierlei konstatieren: Die SPÖ konnte ehemals an die FPÖ sowie an FI verlorene Wähler zurückgewinnen sowie auch bei enttäuschten ehemaligen Grün-Wählern punkten. Die ,bürgerliche‘ Wählerschaft entschied sich mehrheitlich für die Liste von Ex-ÖVP-Vize-BM Johannes Anzengruber.“
Sieht man sich die Ergebnisse in den verschiedenen Gebietstypen an, so findet man die höchsten Sympathien für die Grünen in den zentral gelegenen Wohngebieten mit hohem Maturanten- und Studentenanteil (25,9%). Auch die KPÖ schnitt hier mit 10,3 Prozent überdurchschnittlich gut ab, was für einen „studentischen Einfluss“ sprechen könnte.
Bewohner der Hanglagen votierten für Anzengruber
„Die Liste JA (Johannes Anzengruber, Anm.) hat ihre stärkste Anhängerschaft eindeutig in den statushohen Wohngebieten in Hanglage, die teilweise einen dörflichen Charakter aufweisen sowie über eine hohe Akademiker- und Selbstständigenquote verfügen. Sie lag dort mit 22,6 Prozent vor Grün, das auf 21,1 Prozent kam. Die bürgerliche Sammelliste Tursky kam in den Hanglagen mit 11,6 Prozent knapp hinter der FPÖ mit 12,3 Prozent zu liegen.“
Grüne und JA dominierten wohlhabende Viertel
Die FPÖ punktete einerseits in den Wohngebieten im Osten der Stadt, die über eine hohe Wohndichte und einen hohen Arbeiteranteil verfügen (24,6%) sowie in den Wohngebieten „einfacher“ Leute mit hohem Altbaubestand (24,9%). In den Wahlsprengeln mit stark unterdurchschnittlichem Einkommen war die FPÖ mit einem Stimmenanteil von 22,9 Prozent allen anderen Listen voraus. An der zweiten Stelle folgte die SPÖ mit 15,3 Prozent. In Wahlsprengeln mit stark überdurchschnittlichem Einkommen dominierten Grüne (22,4%) und Liste JA (20%)", heißt es in dem Bericht.
Vorzugsstimmen: Teilsieg für FPÖ
Der Vorzugsstimmenkaiser der Innsbruck-Wahl heißt Markus Lassenberger. Der FPÖ-Spitzenkandidat und Noch-Vize-BM konnte 2361 Stimmen auf sich vereinen. Platz zwei geht an Johannes Anzengruber (JA), den Stichwahlgegner von Amtsinhaber Willi: 2225 sprachen ihm besonderes Vertrauen aus. Auf Platz drei folgt der Stadtchef mit 1630 Vorzugsstimmen, gefolgt von SPÖ-Spitzenkandidatin Elisabeth Mayr (1595).
Mit einigem Respektabstand kommt ÖVP-Kandidat Florian Tursky (791).
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