In diesen Frühlingstagen tröpfelt ein neuer Brunnen im Wiener MuseumsQuartier vor sich hin. Oben fließt noch ein dicker Wasserstrahl hinein, der sich dann über pyramidenförmig angeordnete Trichter immer mehr zu kleinen Rinnsalen erschöpft.
„Brunnen der Erschöpfung“ heißt er deshalb auch – ein Werk des ukrainischen Künstlers Pavlo Makov, das mittlerweile als Symbol der Widerstandsfähigkeit des ukrainischen Volkes gelesen wird.
Eine Woche war Markov in Wien – wie mag es sich für den Künstler nun anfühlen, aus dieser friedlich-frühlingshaften Stadt nach Charkiw zurückzukehren? Auch dort herrscht Frühling. „Alles blüht, es riecht gut“, berichtet eine junge Frau in der „SZ“ aus der ukrainischen Stadt. Doch den Frühling genießen können sie hier nicht.
Seit Tagen ist Charkiw wieder Ziel heftiger russischer Raketenangriffe. „Wir können nicht normal arbeiten, wir können nicht schlafen. Man wacht nachts auf, und das Herz rast.“ Der Krieg in der Ukraine sorgt für Erschöpfung – auch bei immer mehr Menschen, die hier im Luxus des Friedens nichts mehr davon hören wollen und viel zu simple Lösungen fordern.
Makovs Brunnen tröpfelt nun wie ein Zeichen der „Erschöpfung der Menschheit, gegen die aktuellen Krisen anzukämpfen“. Als Mahnung, wie schnell es zu „Schwächung der Demokratie“ kommen kann. Aber auch als Erinnerung daran, wie erschöpfend dieser Krieg erst für die Ukrainer sein muss, auf die viele so gerne vergessen würden . . .
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