Inklusion geht anders: Kepler Uniklinikums verlängerte Vertrag von gehbehindertem Linzer nicht, im Vorfeld darüber informiert wurde der 37-Jährige, der 21 Jahre in dem Krankenhaus gearbeitet nicht. Die „Krone“ hat die Hintergründe herausgefunden.
Es war ein Schock für Siegfried H. (37, Name von der Redaktion geändert). 21 Jahre lang hat der Linzer, der wegen einer Beeinträchtigung auf den Rollstuhl angewiesen ist, im Archiv des Kepler Uniklinikums (vor 2016 war es das AKH) gearbeitet. Im Rahmen des Programm „Jobimpuls“ der Stadt Linz bekam er die Chance, ein eigenständiges Leben zu führen, sein eigenes Geld zu verdienen. Doch damit war Ende 2023 Schluss.
Keine Information vorab
Denn das Kepler Uniklinikum verlängerte den Vertrag nicht mehr. „Das Schlimmste war, dass man vorher nicht einmal mit mir gesprochen hat. Offenbar hatte man nicht den Mut, es mir ins Gesicht zu sagen“, ärgert sich der Linzer, der seit der Kindheit einen Rollstuhl benötigt und nur kurze Strecken auch mit dem Rollator zurücklegen kann.
Wenn meine Arbeit so wertvoll war, wieso wurde dann mein Vertrag nach 21 Jahren nicht mehr verlängert?“
Siegfried H. zur Krone
Ärger über Vorgehen
Der 37-Jährige wollte das nicht so einfach hinnehmen und schrieb eine bitterböse Mail an das Klinikum. Und das bekam er als Antwort: „Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihre langjährige und sehr wertvolle Tätigkeit bei uns im Haus! Wir entschuldigen uns, dass keine umfangreiche Kommunikation bezüglich des vereinbarten Auslaufens Ihres Vertrages erfolgt ist und verstehen natürlichen Ihren Unmut.“ Für Siegfried H. nur ein schwacher Trost: „Wenn meine Arbeit so wertvoll war, wieso wurde mein Vertrag dann nicht mehr verlängert“, ärgert er sich.
Jobimpuls ist ein Angebot der Stadt Linz und bietet Menschen, die am Arbeitsmarkt nicht ohne Unterstützung und Vorbereitung eine Beschäftigung erlangen können, Arbeitsintegration, Betreuung am Arbeitsplatz, sowie Aus- und Weiterbildung an. Das Angebot leistet im Zuge der Chancengleichheit berufliche Integration für Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Mitarbeiter werden im Rahmen eines normalen Dienstverhältnisses mit wöchentlich maximal 25 Stunden beim Magistrat befristet beschäftigt. Damit schafft man eine Sicherung des Lebensunterhaltes durch die Arbeits- und vor allem die Selbsterhaltungsfähigkeit.
Das sind die Hintergründe
Für Siegfried H. nahm die Geschichte aber doch noch einen guten Ausgang. Der 37-Jährige darf wieder in einem Archiv arbeiten. Im Magistrat der Stadt Linz kann er nun seiner Tätigkeit nachgehen. Das KUK erklärt dazu: „Aufgrund des Ausstiegs der Stadt Linz aus dem Universitätsklinikum wurde vereinbart, die befristeten Verträge auslaufen zu lassen – dies allerdings ausschließlich unter der Voraussetzung, dass alternative Arbeitsplätze für die Betroffenen gefunden werden“, heißt es in einer Stellungnahme. Ein anderer Jobimpuls-Mitarbeiter fand keinen Job, er bleibt im KUK.
Inklusion – die Einbeziehung von beeinträchtigten Menschen in die Gesellschaft – ist aktuell ein sehr oft verwendetes Wort. Vielerorts werden Anstrengungen unternommen, viel wird versprochen. Bei der Umsetzung hapert es dann ganz offensichtlich oft.
So ist es schon verwunderlich, dass ausgerechnet ein Krankenhaus, das im Verbund der Gesundheitsholding des Landes steht, nun einem gehbehinderten Mann den Vertrag nicht verlängert. Dass das Ganze dann noch nicht einmal ordentlich kommuniziert wurde, schlägt dem Fass dann den Boden aus.
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