22.08.2012 16:24 |

Episodenfilm

Anthony Hopkins, Rachel Weisz und Jude Law in "360"

Vor rund 90 Jahren sorgte Arthur Schnitzlers "Reigen" auf den Bühnen von Berlin und Wien für veritable Theaterskandale. Die erotische Szenenabfolge, die ausgehend von einer Dirne in Wien eine Reihe von sexuellen Verknüpfungen quer durch alle Gesellschaftsschichten bis zurück zum Ausgangspunkt durchspielt, wurde vielfach verfilmt und zuletzt vom Drehbuchautor Peter Morgan unter dem Titel "360" (Kinostart: 23. August) adaptiert. Der brasilianische Regisseur Fernando Meirelles hat das Skript mit Starbesetzung verfilmt.

Morgan, der unter anderem für die Drehbücher von "The Queen" und "Frost/Nixon" verantwortlich zeichnete, verwendet Schnitzlers Drama als Ausgangspunkt, ohne sich dann jedoch allzu nahe an der Vorlage zu bewegen. Die Kreisstruktur wurde beibehalten und in klassisch Hollywood'scher Episodenstruktur dicht ineinander verwoben.

Den Auftakt des Reigens gestaltet das winterliche Wien: Eine Prostituierte trifft hier auf einen britischen Geschäftsmann (Jude Law), dessen geplanter Seitensprung in die Hose geht und dessen Anruf bei seiner Frau (Rachel Weisz) dazu führt, dass diese ihre Affäre mit einem Fotografen beendet.

Dessen Freundin wiederum haut ob der Untreue ihres Freundes ab und trifft im Flugzeug zuerst auf einen alten Mann (Anthony Hopkins), der immer noch auf der Suche nach seiner seit langer Zeit vermissten Tochter ist, und später auf einen gerade in die Freiheit entlassenen Sexualstraftäter (Ben Foster). Dazu kommen ein russischer Gangster, dessen Fahrer, dessen unglückliche Frau und deren muslimischer Boss, ein gequält verliebter Zahnarzt - und zu guter Letzt auch die Schwester der Prostituierten vom Beginn, bei der sich der Kreis wieder schließt. Als Zuhälter schlüpfte auch Burgtheater-Star Johannes Krisch in eine bekannte Rolle.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Dieser von Arthur Schnitzlers Klassiker "Der Reigen" inspirierte Blick auf ein weltumspannendes Beziehungsgeflecht fesselt mit überraschenden Wendungen. Fernando Meirelles gefällt sich in der Beobachterposition und kredenzt uns ein intelligentes Panoptikum ewig gleicher Sehnsüchte und seelischer Nöte.

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