Prozess in Feldkirch

Klägerin: „Ich kann einfach nicht mehr“

Gericht
28.03.2024 18:08
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Im Zivilverfahren gegen die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) hat eine 58-jährige Bregenzerin mit ihrer Klage endgültig Schiffbruch erlitten. Trotz diverser Krankheiten darf sie nicht in Invaliditätsrente gehen. Der Fall lässt einen nur mit dem Kopf schütteln.

Jetzt ist es fix. Die seit Jahren unter anderem schwer an Osteoporose erkrankte Bregenzerin darf nicht in Invaliditätsrente! Das ist das Ergebnis der dritten Verhandlung im Zivilprozess am Dienstag in Feldkirch. Grundlage für die Klageabweisung ist ein weiteres neurologisches und orthopädisches Gutachten, welches das Gericht in der Verhandlung im Dezember ergänzend in Auftrag gegeben hatte – die „Krone“ berichtete. In dem Bericht kommen die jeweiligen Gutachter erneut zum Schluss, dass der 58-Jährigen unter bestimmten Voraussetzungen eine Tätigkeit im Ausmaß von 20 Prozent, also acht Stunden wöchentlich, zumutbar ist.

Für die von der Arbeiterkammer vertretene Klägerin ist das eine schallende Ohrfeige: „Aufgrund meiner stark fortgeschrittenen Osteoporose kann ich ohne Krücken nicht einmal gehen. Dazu kommen noch Hautkrebs, Schwerhörigkeit, hoher Blutdruck und Depressionen. Ich kann einfach nicht mehr“, zeigt sich die 58-Jährige fassungslos. Dabei stellt sich nicht nur die Frage, welchen Job die Frau noch ausüben könnte, sondern auch jene nach den Möglichkeiten: Wer stellt jemanden ein, der auch in Zukunft pro Jahr mehrere Wochen im Krankenstand verbringen wird und dessen Krankheitsbild sich zusehends verschlechtert? „Die Herrschaften gehen immer von der Theorie aus, praktisch ist das jedoch nicht umsetzbar“, ärgert sich die Klägerin über die Einschätzung der Gutachter.

Zitat Icon

Aufgrund meiner stark fortgeschrittenen Osteoporose kann ich ohne Krücken nicht einmal gehen. Dazu kommen noch Hautkrebs, Schwerhörigkeit, hoher Blutdruck und Depressionen. Ich kann einfach nicht mehr.

Rita Salzer

Die PVA als beklagte Partei sah sich bis zuletzt nicht in der Pflicht, in der Causa einzulenken und die Bregenzerin in Invaliditätsrente zu schicken. Und das, obwohl die Frau bereits 500 (!) Versicherungsmonate hat. Der Frust der 58-Jährigen ist daher nachvollziehbar: „Ich fühle mich als kranker Mensch in Österreich vom System schikaniert und diskriminiert.“ Doch bis zu ihrem gesetzlichen Pensionsantritt am 1. Dezember 2027 dauert es noch. Aufgeben kommt für die sichtlich Gezeichnete jedenfalls nicht in Frage. „Ich werde Berufung einlegen und ans Oberlandesgericht nach Innsbruck gehen. Wenn das nichts nützt, wird es ein Fall fürs Gericht in Wien.“

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