Hunderte Putzkräfte leben in der provisorischen Stadt, die auf einer Hafenfläche nahe des Stadions errichtet wurde, wie die "Daily Mail" berichtet. Damit keiner der Olympia-Besucher sieht, unter welchen Umständen die Arbeiter dort hausen, wurde das Gebiet vorsorglich mit einem blickdichten Zaun versehen.
Während es sich Athleten und Funktionäre im Olympischen Dorf gut gehen lassen, klingen die Berichte der Einwohner der Behelfsunterkunft nicht gerade nach dem Glanz, den man gemeinhin mit Olympia verbindet. Mit bis zu zehn Personen schlafen die Arbeiter in einem Raum, getrennte Unterbringung für Männer und Frauen gibt es nicht. 25 Personen teilen sich je eine der chronisch verstopften Toiletten, 75 Personen je eine Dusche. Nach den Regenfällen der vergangenen Tage steht das Camp derzeit unter Wasser. Die Einwohner haben ausgediente Paletten ausgelegt, die ihnen als Fußwege durch die Seenlandschaft dienen. Viele Container sind undicht, das Wasser tropft durch die Ritzen.
"Da drinnen sieht es aus wie in einem Slum"
Eine Arbeiterin aus Ungarn zeigt sich empört. "Da drinnen sieht es aus wie in einem Slum. Es gibt kaum Platz und die Toiletten sind schmutzig." Eine Landsfrau pflichtet ihr bei: "Bei der Ankunft waren wir geschockt. Wir dachten, dass wir hier in England viel besser untergebracht werden."
Die Unterkunft wurde von der beauftragten Reinigungsfirma errichtet, allerdings mit dem Segen des Organisationskomitees und der Stadtverwaltung - die offenbar beide Augen zudrückten. Denn laut Gesetz gilt ein mit mehr als zwei Personen belegter Raum eigentlich als überfüllt, pro 100 Bewohner müsste es fünf funktionierende Toiletten und mindestens fünf Waschbecken geben. "Die hygienischen Bedingungen sind wohl kaum angemessen", sagt ein Beamter der Gesundheitsbehörde hinter vorgehaltener Hand.
Wuchermieten von 700 Euro pro Monat
Zu allem Überfluss kassiert die Reinigungsfirma für diese Behausung bei ihren aus ganz Europa stammenden Mitarbeitern auch noch kräftig ab. 18 Pfund (23 Euro) pro Tag beträgt die Miete, also gut 550 Pfund (700 Euro) pro Monat. Vielen der Angestellten wurde obendrein bei ihrer Ankunft mitgeteilt, dass es für sie zwei Wochen lang nun doch keine Arbeit gebe - die Miete aber sehr wohl zu zahlen sei.
Auch Andrea Murnoz, Studentin aus Madrid, wollte eigentlich als Putzfrau bei Olympia arbeiten. Doch als sie das Camp sah, verzichtete sie. "Zwei Freunde von mir haben sich allerdings nicht abschrecken lassen. Doch das dürften sie noch bereuen", ist sie sich sicher. Darüber berichten dürften sie allerdings nicht - zumindest nicht offiziell. Denn alle Arbeiter mussten eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben.
Reinigungsfirma: "Viele sind glücklich, hier arbeiten zu dürfen"
Die Reinigungsfirma sieht die Lage gänzlich anders. Es sei schade, dass unzufriedene Bewohner an die Presse gehen würden, denn man sei bemüht, die wenigen auftretenden Probleme rasch zu lösen. Im Übrigen sei aber niemand dazu gezwungen, während der Olympischen Spiele in dem Camp zu wohnen. "Viele unserer Arbeiter kommen aus Gegenden mit extrem hoher Arbeitslosigkeit. Sie sind sehr glücklich, bei den Spielen arbeiten zu dürfen." Und auch das Organisationskomitee wäscht seine Hände in Unschuld. "Die Reinigungsfirma hat uns versprochen, dass die Unterkünfte angemessen sind."
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