David Causier in Wien

Lebenslange Leidenschaft für drei Billardkugeln

Sport-Mix
04.03.2024 12:32

Snooker kennt fast jeder aus dem Fernsehen, Pool haben die meisten selbst wohl schon zumindest einmal gespielt. Wien wurde am vergangenen Wochenende zum Schauplatz einer anderen Billard-Variante, dem English Billiards. Dabei waren auch internationale Asse zu Gast wie der siebenmalige Weltmeister David Causier.

Stellen Sie sich vor, sie kommen zu einem Tennisturnier und auf dem ersten Platz sehen Sie, wie Rafael Nadal oder Novak Djokovic nicht spielt, sondern auf dem Schiedsrichterstuhl sitzt und den Referee gibt. Genau, einfach unvorstellbar! 

Exakt dieses Bild bot sich einem Billard-Fan aber beim Eintritt in das Snooker & English Billiards Bundesleistungszentrum in Wien Penzing an der Hütteldorfer Straße. Denn da war der siebenmalige English-Billiards-Weltmeister David Causier in der Tat als Schiedsrichter am ersten Tisch im Einsatz, obgleich er natürlich selbst auch an den Austrian Open teilnimmt.

„Das ist bei unseren Turnieren so üblich, dass du immer auch ein Match leiten musst“, lächelt er in der wohlverdienten Pause. Bereits mit 5 Jahren begann der in Middlesbrough gebürtige und immer noch dort lebende Causier mit dem English Billiards. Eine Variante, die auf einem Snooker-Tisch gespielt wird, allerdings nur mit drei Kugeln. Ein weißer und ein gelber Spielball für die beiden Kontrahenten, dazu ein roter Ball. Gepunktet wird mit einer Karambolage aller drei Kugeln oder indem man entweder einen der beiden anderen Bälle, oder abprallend von einem Objektball, seinen eigenen Spielball versenkt. So lange man punktet, bleibt man am Tisch. Ein Match bei den Austrian Open dauert in der Vorrunde eine Stunde, in der K.o.-Runde 90 Minuten.

Nur 15.000 Pfund im Jahr
Causier wird souverän durch das Turnier pflügen, am Ende auch den indischen Vizeweltmeister Dhruv Sitwala im Finale klar mit 719:246 besiegen. Kein Wunder in einem Spiel, das vor allem auf Erfahrung baut. Seit Jahrzehnten tingelt Causier durch die Turniere. Aus purer Leidenschaft. Denn leben kann vom English Billards nicht, die Preisgelder sind gering. In guten Jahren kann der mittlerweile 50-Jährige damit 15.000 Pfund verdienen, seinen Lebensunterhalt betreibt er mit einem Lieferdienst. 

„Aber English Billiards ist wie eine Sucht. Ich habe mehrmals versucht aufzuhören, aber es treibt mich immer wieder an den Tisch.“ Obwohl er eine Frau und vier Kinder hat. „Mittlerweile sind sie Teenager, aber früher war es für sie schon nicht einfach, wenn Papa lange unterwegs war“, erinnert sich Causier und schmunzelt: „Aber sie haben sich immer gefreut, wenn ich ihnen etwas Schönes mitgebracht habe.“

Noch immer trainiert er zwei Stunden am Tag, um im Stoß zu bleiben. „Ohne Training geht es im Billard nicht. Man kann auch einem Snooker-Profi wie Ronnie O‘Sullivan nicht glauben, wenn er sagt, dass er kaum trainiert. So wie ich ihn kenne, macht der kaum etwas anderes.“ Antrainier ist so auch, dass Causier die Situation auf dem Tischen auf Anhieb erkennt. „Bei diesem Spiel muss man vier, fünf Stöße im Voraus denken“, erklärt er  das Geheimnis.

Reine Mathematik
Daran arbeitet auch der sechsmalige österreichische Staatsmeister Martin Schmidt, der ebenfalls dem English Billiards verfallen ist. Wie viele andere begann er einst mit Snooker. Seine erste Begegnung mit der Variante mit nur drei Bällen war noch nicht so vielversprechend. „Am Anfang war das für mich nicht Fisch, nicht Fleisch“, erinnert er sich lächelnd. Doch für den Mathematiker fand sich im English Billards bald ein ganz spezieller Reiz. „Mich hat fasziniert, wie natürlich das ist, wenn du den Spielball von einer anderen Kugel in die Tasche abprallen lässt. Das ist ein Ball, der viele Fehler verzeiht.“

Sein abgeschlossenes Studium als Mathematiker ist bei seiner Leidenschaft sehr hilfreich. „Das Spiel hat natürlich viel mit Trigonometrie zu tun“, bestätigt Schmidt, der für dieses ebenfalls schon viel durch die Welt reiste, sogar schon bis nach Australien. Dabei hat der Oberösterreicher noch einen kleinen Traum: „Ich würde einmal gerne bei einem World-Tour-Turnier das Viertelfinale erreichen.“

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