„Seien Sie nett zu unserem Personal - gute Gäste sind leichter zu finden als gute Mitarbeiter.“ Der Witz ist nicht neu, das Problem ebenfalls nicht - und trotzdem ist das Lächeln bei Wirten, Hoteliers und anderen Touristikern heute gequälter als vor ein paar Jahren. Seit Corona gilt kaum eine Branche als dermaßen unsicher wie der Tourismus. Arbeitszeiten, Lohn, Stress und - Hand aufs Herz, wer selbst noch keiner war - ungute Gäste sprachen schon davor nicht besonders für eine Karriere im Service. Wie sich das auswirkt? Nun, wann haben Sie denn das letzte Mal versucht, am Sonntag außerhalb einer Großstadt ein geöffnetes Lokal zu finden? Mittlerweile rücken selbst Buschenschenken, früher ausschließlich am Wochenende für ausflugs- und jausenhungrige Städter geöffnet, davon ab, am Sonntag Tür und Kellertor zu öffnen. Muss der gelernte Österreicher also darauf verzichten, sein Sonntagsschnitzerl von der gelernten (oder ungelernten, aber dafür oft umso umgänglicheren) Servicekraft vor die Nase platziert zu bekommen?
Mitnichten, hoffen findige Touristiker und lassen sich so einiges einfallen, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu behalten: Mit Wellness, Spielebereich, Freizeitgestaltung, Ausbildungen und sonstige „Zuckerln“ locken sie das Personal, das ihnen fehlt. Und das sind österreichweit circa zehn Prozent der Beschäftigten - hauptsächlich in Küche und Service. Einige Betriebe müssen sogar mit 20 Prozent weniger Angestellten auskommen. „Mitarbeitermangel: Müssen sich Arbeitgeber künftig mehr ,Zuckerln‘ für ihr Personal überlegen?“ haben wir unsere Leser und Leserinnen auf krone.at gestern gefragt - und drei Viertel sagen: „Ja, sie müssen!“ Das wissen und spüren auch die Unternehmer: glückliches Personal = glückliche Gäste. Also sind am Ende alle König, nicht nur der Kunde? Ja ... aber: Zuckerln kosten Geld. Geld, das die Betriebe entweder über erhöhte Preise erwirtschaften müssen. Oder - und da sind wir wieder einmal beim selben alten Thema: runter mit den Lohnnebenkosten, weg mit der überbordenden Bürokratie und Österreich zum unternehmerfreundlichen Land machen. Kein Witz.
Kommen Sie gut durch den Dienstag!
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