Show oder Mystik? Rund 1000 aktive Imster Fasnachtler boten jedenfalls den tausenden Besuchern ein Schauspiel der Sonderklasse. Und der „Fasnachtler im Himmel“ sorgte dafür, dass die wunderbaren „G`wandle“ bis zum Schluss in der Sonne glitzerten, wie vor vier Jahren.
Was hätte wohl Volksprediger Abraham a Santa Clara, der 1683 das Imster Schemenlaufen in einem Reisebericht erstmals in das Licht der Geschichte rückte, nach diesem Sonntag in die Welt getragen? Die Schilderungen wären voll von Superlativen über Lebendigkeit, Farbenpracht und Mystik. Doch auch ohne historischen Tipp wurde die Imster Fasnacht Weltkulturerbe und jeder der 10.000 Zuseher weiß nun, warum.
„Aufzugswagele“ gebaut für nur 2,5 Stunden
Bereits beim Aufzug der Masken von der Unterstadt in die Oberstadt, der von den Fotografen seit jeher genützt wird, unbedrängt die Motive einzufangen, säumten Tausende Fasnachtsfans die engen Straßen. Hier war auch erstmals die Aufwändigkeit der Fasnacht sichtbar: Die „Aufzugswagelen“ wurden nur dafür gefertigt, also für rund zweieinhalb Stunden. Nun waren auch die sieben in monatelanger Arbeit im Geheimen gebauten Festwägen enthüllt. Und dazwischen erstmals die „Gangle“ von Roller und Scheller. Doch alles nur Vorgeplänkel, denn eigentlich warten alle nur auf eines: das 12-Uhr-Geläut der Glocke der Pfarrkirche.
63 Roller-Schellerpaare im schier endlosen „Kroas“
Nun haben sich alle Masken beim „Bonder“, dem Gasthof Hirschen, versammelt und ein Raunen geht beim ersten Glockenschlag durch die Menschenmassen. Erst die maskierte Musikkapelle, dann der legendäre schwarz-weiße „Turesackner“. Ihm folgen die Ordnungsmasken, die Wiflig-, Baure- und Turesackner, die Altfrank-, Mohren- und Engelspritzer und die Kübelemaje. Endlich die ersten der 63 Roller- und Schellerpaarle mit ihrem pompösen, bis zu fünf Kilogramm schweren Aufputz. Alle bilden den ersten „Kroas“ (Kreis). Auf dem Weg Richtung Unterstadt werden fünf weitere gebildet.
Am Ende versammelt man sich zum „Schlusskroas“ am Stadtplatz. Beim „Zommschalle“, dem gemeinsamen Schellen aller, werden die letzten Kraftreserven mobilisiert, bevor mit einer Mischung aus Stolz und Wehmut die Larven abgenommen werden. Doch die Abstinenz dauert ja nur zwei Jahre - bis zur „Buabefasnacht“.
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