Es ist fast unglaublich und beängstigend: Ein Welser war täglich im Internet auf der Jagd nach Kindern, um mit den kleinen Mädchen perverse Chats zu führen. Die Zahlen sind nahezu unglaublich: mehr als 700.000 Kinderpornos und verstörende Chats. Das Schlimmste: Der Täter ist selbst Papa von kleinen Kindern.
Fast zehn Jahre lang suchte ein zweifacher Vater (41) fast täglich im Internet nach Mädchen - Kinder im Alter von zehn Jahren -, um mit ihnen Sex-Videochats zu führen, sich Bilder und Videos schicken zu lassen. 20.000 solcher Online-Gespräche fand die Polizei auf seinem Computer, dazu rund 700.000 Kinderpornos - Bilder und Filme. Und das, obwohl er im Jahr 2012 schon einmal wegen ähnlicher Delikte zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt worden war. „Damals konnte ich das noch eher vertuschen. Aber jetzt bekamen es die Familie und das Umfeld mit“, sagte der Welser vorm Schöffengericht in Wels aus.
Sie haben offensichtlich die gesamte Freizeit dafür aufgebracht, Ihrem illegalen Hobby nachzugehen. Jeder Chat ist für sich ein Verbrechen.
Richterin Christina Steininger-Höller
„Schlag ins Gesicht“
Eine Psychotherapie wegen seiner Pädophilie brach er ein halbes Jahr vor dem Verhandlungstermin ab. „Das ist ein Schlag ins Gesicht“, sagte Anklägerin Kerstin Kutsam, die auf eine Inhaftierung des Verdächtigen vor der Verhandlung verzichtet hatte, weil er sich in der Zeit der Aufarbeitung der Daten - länger als ein Jahr lang - nichts mehr zu schulden kommen ließ und damals zur Therapie ging.
Als mich ein Therapeut fragte, wie es mir gehen würde, wenn jemand mit meiner Tochter so chatten würde - da hat es bei mir ,Klick‘ gemacht.
Angeklagter während seiner Aussage
Verfestigte Pädophilie
Der Angeklagte sagte - wenige Tage vor seinem 42. Geburtstag -, dass er im „richtigen Leben“ die jungen Mädchen nie ansprechen oder anfassen würde. „Es gab nie ein Treffen“, so sein Anwalt Michael Ecker. Rechtlich macht es aber keinen Unterschied, da der Angeklagte die kindlichen Opfer verleitet hatte, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen und dabei zusah. Ein Gutachter sprach von verfestigter Pädophilie.
„Jeder Chat ist ein Verbrechen für sich“
Bei der Urteilsverkündung - vier Jahre Haft und Unterbringung in einem forensischen Zentrum - argumentierte Richterin Christina Steininger-Höller mit der Vielzahl an Taten: „Jeder dieser Chats ist ein Verbrechen, das mit bis zu zehn Jahren Haft bedroht ist.“ Und, dass sich der Angeklagte mehr über die „soziale Ausgrenzung“ - Ausschluss aus der Familie, Verlust der Erziehungsberechtigung - als über den Schaden bei den Opfern sorgte. Dabei hat er selbst eine Tochter, die im Alter seiner Opfer ist. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Räuber, Einbrecher, Wölfe - diese bösen Feindbilder, sie alle jagen mir keine Angst ein. Ganz einfach: Es ist unwahrscheinlich, dass sie das Leben meiner Familie in irgendeiner Form bedrohen. Aber beim Prozess in Wels lief mir der kalte Schauer über den Rücken.
Denn jener unscheinbare Mann auf der Anklagebank ist nur einer von vielen, die im Internet auf Jagd gehen. Nach Kindern und Teenagern. Wie kann ich verhindern, dass nicht die eigenen in die Fänge solcher Triebtäter geraten, wenn sie in absehbarer Zeit alleine im Internet unterwegs sind?
Es bleibt nur, sie darauf vorzubereiten, und zu hoffen, dass sie auch zuhören.
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