Nach 98 Jahren sperrt die Zuckerlzentrale, eine Institution in Bruck an der Mur für Jung und Alt, zu. Betreiberin Katharina Schaufler hat ihr ganzes Leben zwischen Pralinen und Zuckerl verbracht.
Für die meisten Kinder bleibt ein Traum, was für Katharina Schaufler Realität war: Sie wuchs auf zwischen Lutschern und Gummi-Pilzen, zwischen Pralinen und Bonbons. „Ich war schon im Geschäft, als ich noch nicht einmal über die Vitrine drüber gesehen hab’“, erinnert sich die heute 29-jährige Unternehmerin.
Ihre Großeltern hatten die Zuckerlzentrale in der Brucker Herzog-Ernst-Gasse in den 70er-Jahren übernommen. 1925 war sie gegründet worden. „Damals gab es ja noch keine Supermärkte. Zuckerl und Schoko waren ein Luxus, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.“ Noch heute, sagt Schaufler, schwärmen Kunden von dieser Zeit.
Als Schauflers Tante 2016 schließlich auch in Pension ging, war für die damals erst 21-Jährige klar: „Ich will übernehmen.“ Frisch von der Tourismusschule am Semmering startete sie in die Selbstständigkeit. „Ich konnte mich da verwirklichen. Ich habe das Sortiment um Deko, Geschirr und Tee erweitert.“
Den typischen Kunden gibt es nicht
Kunden stolperten mit Schultaschen am Rücken und mit Baby im Kinderwagen in das kleine Geschäft. Jung und Alt, Kinder und Großeltern: Im süßen Paradies gibt es keinen typischen Stammkunden. „Am besten gehen die Zuckerl und die Pralinen.“ Schaufler kauft sie bei Familienbetrieben ein, die seit Jahrzehnten für die Zuckerlzentrale produzieren.
Die Kunden waren traurig, entsetzt und fanden es schade, dass ich schließe. Manche haben sogar geweint.
Katharina Schaufler
Am 1. November verkündete Schaufler via Social Media das Ende der Zuckerlzentrale: Sie verabschiedete sich „mit einem süßen Lächeln“. Die Gründe dafür sind vor allem persönlicher und privater Natur - aber sie macht keinen Hehl daraus, dass die Zeiten schwerer werden. „Das Geschäft geht - wenn auch nicht so wie vor Corona.“ Die Frequenz in der Brucker Innenstadt sei „nicht optimal“.
Beruflich geht es für die 29-Jährige im neuen Jahr mit neuen Herausforderungen weiter. Die rosarote Brille will sie trotzdem aufbehalten. „Ich sehe die Welt wie das Geschäft: rosa, romantisch, süß. Bis 31. Dezember genieße ich jeden Moment mit den Kunden.“
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