Heimtrainer, Hanteln, Bücher und sogar sein eigenes Haustier. Im Drogenwahn warf ein 40-Jähriger all das aus seinem Wohnhausfenster im 22. Stock. Obwohl in Psychiater Peter Hofmann Unzurechnungsfähigkeit attestiert, spricht das Gericht keine Strafe aus - der Wiener kann nach dem Prozess nach Hause gehen.
Es war ein sonderbares Bild, das sich Beamten am 9. Juli vor einem Wohnhaus in Wien-Brigittenau bot: Zahlreiche Gegenstände lagen dort zerstört am Boden, unter anderem Hanteln. „Als wir gekommen sind, haben wir gerade gesehen, wie ein Heimtrainer aus dem Fenster fliegt“, erinnert sich ein Polizist im Zeugenstand.
Eigene Katze aus 22. Stock geworfen
Die schreckliche Entdeckung: Auch seine Katze warf ein 40-Jähriger aus dem 22. Stock - sie überlebte den Sturz nicht. „In der Wahrnehmung, in der ich war, wollte ich sie frei lassen. Ich dachte, sie fliegt jetzt los“, versucht der Wiener vor Gericht dem Schöffensenat zu erklären. Eine verdrehte Wahrnehmung, die wohl einer Mischung aus Drogen und einer Psychose zuzuschreiben sind.
„Ich wollte meinen Alkoholkonsum reduzieren und habe eine Droge gesucht, die ich alle drei Tage nehmen kann. Um in meinem Alltag ein bisschen kreativer zu werden“ - der Selbstständige im Online-Marketing griff also im Juli dieses Jahres zur hawaiianischen Holzrose, LSD-ähnliche Samenkörner.
Hawaiianische Holzrose löste Psychose aus
Diese Droge sei der Auslöser für eine Psychose, weist Florian Kreiner auf die attestierte Unzurechnungsfähigkeit seines Mandanten hin - „er hat damit herumexperimentiert.“ Der Staatsanwalt hat nämlich keine Anklage gegen den 40-Jährigen eingebracht, sondern einen Antrag auf Unterbringung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum. Die Anlasstaten: Tierquälerei, versuchter Widerstand gegen die Staatsgewalt und versuchte Körperverletzung.
Denn schon drei Tage vorher geriet der Betroffene mit Beamten aneinander - abermals unter dem Einfluss der hawaiianischen Holzrose. Sein Flugzeug aus Kroatien landete in Wien und schon beim Aussteigen wurde er von der Polizei abgepasst - er schrie im Flugzeug wild herum. Bei der Festnahme leistete er ordentlich Widerstand. „Ich bin lauter geworden. Etwas frech bin ich auch gegenüber den Polizisten gewesen“, erinnert sich der 40-Jährige im Wiener Landesgericht anders.
„Hab die Kontrolle völlig verloren“
Auch nachdem er diverse Gegenstände und seine eigene Katze aus dem Fenster geworfen hatte, wehrte er sich gegen die Polizeibeamten. Einer wurde dabei sogar verletzt. In solch einem Zustand sei der Mann noch nie gewesen, gibt er selbst an: „Ich dachte, ich nehme das und dann schlafe ich ein, aber ich hab die Kontrolle völlig verloren.“ Auf die Frage von Richter Stefan Apostol nach dem Vierbeiner, antwortet er den Tränen nahe, normalerweise hätte er dem Tier niemals etwas angetan.
Vor Gericht bekräftigt Psychiater Peter Hofmann sein Gutachten, das eine Psychose des Wieners bestätigt - ausgelöst durch den Drogenkonsum: „Er ist komplett verrückt geworden.“ Ob für das Handeln des 40-Jährigen eine schwerwiegende und nachhaltige psychische Störung ursächlich war, oder doch nur die Drogen, könne man nicht feststellen.
Keine Strafe wegen Tierquälerei und Widerstandes
Zurechnungsfähig sei er trotzdem nicht gewesen, aber der Richter stellt fest: „Wir können nicht ausschließen, dass Sie im Drogenrausch gehandelt haben.“ Also weist der Schöffensenat den Antrag auf Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum nicht rechtskräftig ab. Der Wiener wird nach der Verhandlung sofort wieder auf freien Fuß gesetzt.
„Haben Sie jemanden, der auf Sie schaut?“, will Richter Apostol wissen. „Ja, meinen Bruder“ - der in der ersten Reihe im Verhandlungssaal sitzt und die Tränen nicht unterdrücken kann.
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