Öffis sind preisstabil

Autofahren in vier Jahren um ein Viertel teurer

Österreich
21.09.2023 15:47

Neben der Klimakrise bildet sich zunehmend ein weiteres Argument, vom eigenen Pkw auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen - nämlich die Kosten. Während laut einer aktuellen Berechnung die Kosten für Öffis zuletzt kaum gestiegen sind, schnellten jene für das eigene Fahrzeug deutlich in die Höhe. Der hohe Anteil an SUVs trägt seinen Teil zur Teuerung bei.

Während die durchschnittlichen Ausgaben eines Auto-Haushalts heuer um ein Viertel höher sind als noch 2019, stiegen die Kosten für Haushalte ohne Auto demnach um 12 Prozent, rechnet das gewerkschaftsnahe Momentum Institut am Donnerstag vor. Gab ein Pkw-Haushalt im August 2019 im Schnitt noch 570 Euro für Besitz, Instandhaltung und Gebühren aus, sind es heuer bereits 714 Euro.

Öffis bei Teuerung unschlagbar
Der Treibstoff kostete etwa um 37 Prozent mehr als vor vier Jahren, für die Anschaffung eines Autos musste um 31 Prozent mehr bezahlt werden, für Autoreifen 34 Prozent mehr, erklärte Momentum-Ökonom Alexander Huber in einer Aussendung. Zum Vergleich: Der Preis für Fahrräder stieg demnach um 13 Prozent und liegt damit um 10 Prozentpunkte unter den durchschnittlichen allgemeinen Preissteigerungen von 23 Prozent.

Die Bahn fährt auch in Sachen Kosten dem Pkw langsam davon. (Bild: P. Huber)
Die Bahn fährt auch in Sachen Kosten dem Pkw langsam davon.

Die Preise für den öffentlichen Nahverkehr seien in den vergangenen vier Jahren nur um ein Prozent gestiegen, die Preise fürs Bahnfahren um vier Prozent.

Haushalte ohne Auto sparen kräftig
Generell lasse sich sagen, dass Haushalte ohne Pkw deutlich weniger Geld im Verkehrsbereich aufwenden. „Sie gaben im August 2023 für ihre Mobilität im Schnitt nur durchschnittlich 84 Euro pro Monat aus. Das ist achtmal weniger als PKW-Besitzer:innen“, so Huber.

SUVs verschärfen Lage
Wobei die individuelle Pkw-Nutzung und die Autowahl eine wichtige Rolle spielt. So hat kürzlich der VCÖ vorgerechnet, dass fast zwei Drittel der nach Wien Pendelnden weniger als drei Kilometer von einer Bahnhaltestelle entfernt wohnen. Seit 2015 habe sich der Anteil an SUV, die im Regelfall einen höheren Verbrauch und Neupreis haben als vergleichbare große Limousinen und Kombis, verdoppelt.

Vor allem Männer und Eltern mit Auto unterwegs
Laut einer Umfrage des ÖAMTC vom August benötigen 40 Prozent der Eltern nach eigener Einschätzung für den Weg zum Kindergarten ein Auto. Nur 30 Prozent bringen ihre Kinder zu Fuß in die Betreuungsstätte. „Elf Prozent nützen Fahrrad und Roller, sechs Prozent fahren mit Öffis“, so ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Der Online-Autohändler AutoScout24 hat heute eine Umfrage (Sample: 500 Personen) präsentiert, wonach jeder zweite Befragte mit dem Auto zur Arbeit oder Ausbildung pendelt. Dies gelte vor allem für Männer und Personen mit Kindern.

Klimaticket sorgt für Boom bei Bahn
Wobei die Österreicherinnen und Österreicher ohnehin fleißige Öffi-Fahrer sind, wie der VCÖ am Donnerstag bekannt gab. Hierzulande werden pro Person mehr als doppelt so viele Kilometer mit Bahn, Bim und U-Bahn gefahren wie im EU-Schnitt. „Mit 1625 Kilometer pro Person und Jahr ist Österreich auf der Schiene der EU-Champion, europaweit hat die Schweiz mit 1720 Kilometern die Nase vorne“, so der Verkehrsclub. Vor allem das Klimaticket dürfte für den Boom mitverantwortlich sein.

Und was tut sich an den Tankstellen? Seit August ziehen die Spritpreise in Österreich an. Laut aktuellem Spritpreisrechner der E-Control kostete gestern ein Liter Diesel im Schnitt 1,799 Euro, bei Super lag der Preis bei 1,727 Euro.

Angebot an günstigen Autos schrumpft
Angezogen haben auch die Neuzulassungen. Zwischen Jänner und Juli 2023 sind in Österreich 144.256 Pkw neu zugelassen worden. Das ist ein Plus von 15,7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Anteil an alternativ betriebenen Pkw - Elektro und Hybrid - erreichte 46,2 Prozent. Laut einer Studie der Deutsche Bank Research vom Juli schrumpft gleichzeitig das Angebot an günstigen Autos.

Als Gründe werden das immer knappere Angebot an Gebrauchtwagen sowie die Konzentration der deutschen Hersteller auf das Premiumsegment angeführt. Die für 2025 geplante neue Absatznorm Euro7 werde Neuwagen mit Verbrennermotoren noch einmal verteuern und der Trend zur Elektromobilität das Angebot an Verbrennern weiter einschränken.

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