Mysteriöses Phänomen

Beben in Marokko: Leuchten lässt Forscher rätseln

Wissenschaft
15.09.2023 11:07

Kurz vor dem schweren Erdbeben in Marokko am vergangenen Freitag, bei dem fast 3000 Menschen ums Leben gekommen sind, soll am Nachthimmel ein eigenartiges Lichtphänomen, das frappant an Wetterleuchten erinnert, zu beobachten gewesen sein. Möglicherweise handelte es sich dabei um sogenannte Erdbebenlichter (kurz EQLs).

Über den Auslöser der bläulichen Leuchterscheinung wird in sozialen Medien intensiv diskutiert. Es handelt es sich wahrscheinlich um ein Phänomen, das als Earthquake Lights (EQL) bezeichnet wird. Diese Ausbrüche von hellem, manchmal tanzendem Licht in verschiedenen Farben geben noch immer Rätsel auf. In der Wissenschaft gibt es bis dato keinen Konsens darüber, was sie verursacht. Manche Forscher bezweifeln sogar, dass es solide Beweise dafür gibt.

Kurz vor dem schweren Erdbeben in Marokko am vergangenen Freitag, soll am Nachthimmel ein eigenartiges Lichtphänomen zu beobachten gewesen sein. (Bild: twitter.com (Screenshot), krone.at-Grafik)
Kurz vor dem schweren Erdbeben in Marokko am vergangenen Freitag, soll am Nachthimmel ein eigenartiges Lichtphänomen zu beobachten gewesen sein.

Geophysiker: Erdbebenlichter „definitiv real“
Für den pensionierten US-Geophysiker John Derr, er ist Mitautor mehrerer wissenschaftlicher Studien zum Thema EQLs, sind die Erdbebenlichter aber „definitiv real“, wie er gegenüber dem TV-Sender CNN erklärte. Ob man Leuchterscheinungen (siehe Video im Tweet) sehe, hänge von der Dunkelheit und anderen günstigen Faktoren ab, so der Wissenschaftler, der bei der Erdbebenwarte U.S. Geological Survey (USGS) gearbeitet hat.

Mit Forscherkollegen hat Derr Informationen über 65 amerikanische und europäische Erdbeben, die mit vertrauenswürdigen Berichten über Erdbebenlichter in Verbindung stehen, ausgewertet und die Ergebnisse 2014 in der Fachzeitschrift „Seismological Research Letters“ veröffentlicht.

Werden meist bei starken Beben beobachtet 
Die Wissenschaftler fanden demnach heraus, dass etwa 80 Prozent der EQLs bei Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 5,0 beobachtet wurden. In den meisten Fällen wurde das Phänomen kurz vor oder während des seismischen Ereignisses beobachtet und war in einer Entfernung von bis zu 600 Kilometer vom Epizentrum der Erdstöße sichtbar. Erdbebenlichter wurden schon in der Antike von griechischen Universalgelehrten Aristoteles und vom römischen Schriftsteller Seneca beschrieben.

Piezoelektrische Aufladung, leuchtendes Plasma?
Eine gängige Theorie lautet, dass piezoelektrische Aufladungen in den Quarz-Bestandteilen von Gesteinsschichten nahe der Erdoberfläche, die durch den hohen Druck tektonischer Bewegungen hervorgerufen werden, ein Auslöser für entsprechende elektrische Entladungen, die zu EQLs führen, sein könnten. In Laborversuchen konnte zudem nachgewiesen werden, dass negativ geladene Sauerstoff-Ionen, die durch hohen Druck aus den Peroxiden in bestimmten Gesteinsarten herausgelöst werden können, ein leuchtendes Plasma erzeugen.

Es ist nicht das erste Mal, dass solche Lichter wie in Marokko gesichtet wurden. Erst Anfang des Jahres wurden sie während der schweren Erdbeben in der Türkei und in Syrien sowie 2017 über Mexiko bei einem Beben der Stärke 7,0 beobachtet.

Noch höhere Opferzahlen befürchtet
Das genaue Ausmaß der Beben-Katastrophe war auch nach einer Woche noch nicht absehbar. Laut einer am Mittwochabend veröffentlichten Bilanz wurden bei dem Beben knapp 3000 Menschen getötet und mehr als 5600 weitere verletzt. Es wird aber befürchtet, dass beim Vorrücken der Helfer in entlegene Bergdörfer viele weitere Opfer gefunden werden könnten.

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