27.01.2012 17:47 |

Notarzt verurteilt

Unfallopfer stirbt nach Fehlintubation - 3.600 € Strafe

Wegen fahrlässiger Tötung ist ein Notarzt verurteilt worden, weil er bei einem Unfalleinsatz auf der Innkreisautobahn im September 2010 (Bild) falsch reagierte. Ein Kärntner Lkw-Fahrer erstickte damals qualvoll an einer Fehlintubation, die das Ärzteteam vor Ort nicht einmal erkannt hatte.

Bei diesem Einsatz ging es um Leben und Tod und um jede Sekunde: Ein 45-jähriger Kärntner war mit seinem Lkw auf der Innkreisautobahn bei Grieskirchen fast ungebremst gegen einen weiteren Lastwagen gekracht, der ein Mähfahrzeug absicherte (siehe Infobox). Beide Lenker wurden dabei schwer verletzt, der Kärntner zudem im Wrack seines Führerhauses eingeklemmt.

Kärntner erstickte qualvoll nach Fehlintubation
Eineinhalb Stunden brauchten die Feuerwehrmänner, um den Familienvater aus den Blechmassen herauszuschneiden. Zwei Notarztteams standen bereit, um zu helfen. Ein Mediziner tat dann sofort das, was jeder aus TV-Serien kennt - rasch intubieren, um den Patienten künstlich beatmen zu können.

"Die Intubation gelang scheinbar beim ersten Versuch", hielt der Gerichtsgutachter fest. Denn der Arzt und auch seine Kollegen bemerkten nicht, dass der Zugang nicht in der Luftröhre, sondern in der Speiseröhre gelandet war. Der Kärntner erstickte qualvoll – im Krankenhaus mussten Reanimationsversuche ergebnislos abgebrochen werden.

"Hätte Verletzungen mit hoher Wahrscheinlichkeit überlebt"
"Es steht außer Zweifel, dass er an den Folgen der unerkannten Fehlintubation verstorben ist", so das Gutachten. Was für Frau und Tochter des Toten, vertreten vom St. Veiter Anwalt Paul Wolf, die Sache noch schwerer macht: "Er hätte seine Verletzungen mit hoher Wahrscheinlichkeit überlebt." Das Urteil: 3.600 Euro Geldstrafe für den Notarzt wegen fahrlässiger Tötung.

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