Der europäisch-amerikanische Autoriese Stellantis hat am Freitag ein Blutbad an der Börse erlebt. Das Wertpapier des Unternehmens ist nach einem gewaltigen Strategieumbruch um satte 25 Prozent eingebrochen. CEO Antonio Filosa will sich nun in „Bescheidenheit“ üben.
Die Autobranche erlebt aktuell gehörige Umwälzungen. Mittlerweile steht fest: Zu viele Hersteller haben sich zu früh einer reinen Elektrostrategie verschrieben. Dem Branchenriesen Stellantis wird das nun Milliarden kosten.
Der seit Mai amtierende Vorstandschef Antonio Filosa hat am Freitag endgültig mit den Plänen seines Vorgängers Carlos Tavares, das aus Fiat, Chrysler, Peugeot, Citroen und anderen Marken entstandene Konglomerat ganz auf Elektroautos auszurichten, gebrochen. Stellantis nimmt dafür Abschreibungen von mehr als 22 Milliarden Euro in Kauf.
Stellantis-CEO fordert „Bescheidenheit“
Diese Nachricht sorgte an der Börse für einen Schock. Es kam zu Panikverkäufen, die Aktie fiel darauf innerhalb weniger Stunden um 25 Prozent. Ein wahres Blutbad. Stellantis selbst stellte fest: Das Unternehmen habe sich in den vergangenen Jahren „von der realen Welt“ entfernt.
Der Italiener Filosa hat nach Börsenschluss versucht, Optimismus zu verbreiten: „Ein Neustart erfordert Mut, Disziplin und Entschlossenheit.“ Das habe Stellantis trotz des brutalen Wertverlustes bewiesen. Die Gruppe werde künftig „unsere Kunden wieder in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen“. Die ersten Reaktionen – vom Blutbad an der Börse abgesehen – würden den Schritt jetzt schon rechtfertigen.
Der gebürtige Neapolitaner gibt aber auch zu: „Die Kosten dieser Veränderung sind sicherlich beträchtlich.“ Jetzt müsse wieder eine gewisse Demut einkehren: „Mit Bescheidenheit, neuem Fokus und unseren Kunden als Leitstern werden wir diese positive neue Dynamik weiter ausbauen.“
Stellantis ist nicht der erste Autobauer, der seine Elektro-Ambitionen deutlich zurückschneidet. Die US-Konkurrenten Ford und General Motors (GM) hatten sich wegen der Politik der US-Regierung unter Donald Trump und der schwachen Nachfrage nach Elektroautos von ihren ehrgeizigen Plänen für batteriebetriebene Modelle verabschiedet.
Elektromobilität als vorläufiges Milliardengrab
Trump hatte Subventionen für Elektroautos zurückgeschnitten und lehnt umweltfreundliche Technologien ab. Ford schrieb 19,5 Milliarden Dollar ab, GM 6 Milliarden. Insgesamt hat die Branche allein im vergangenen Jahr in Form von Abschreibungen mehr als 45 Milliarden Euro mit Elektroautos versenkt.
Für 2026 hofft Stellantis auf Umsatzzuwächse von rund 5 Prozent und operativ schwarze Zahlen. Ein positiver Mittelzufluss (Cashflow) sei aber erst 2027 wieder zu erwarten.
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