In Graz vor Gericht

Pfleger soll zwei Patientinnen missbraucht haben

Steiermark
16.06.2023 13:59
Porträt von Steirerkrone
Von Steirerkrone

Ein 51-jähriger Diplomkrankenpfleger steht in Graz vor Gericht, weil ihm zwei Patientinnen vorwerfen, dass er sie im Aufwachraum sexuell belästigt und missbraucht habe. Der Mann weist alle Schuld von sich und verweist auf „sexuelle Fantasien als Nebenwirkung“ eines Narkosemittels. Der Prozess wurde vertagt.

„Sexuelle Fantasien sind eine bekannte Nebenwirkung des Narkosemittels Propofol.“ Mit diesem Argument verteidigt sich ein steirischer Diplomkrankenpfleger, dem vorgeworfen wird, zwei Frauen nach Operationen im Aufwachraum eines Sanatoriums sexuell belästigt und missbraucht zu haben.

Zwei Frauen mit ähnlichen Erlebnissen
Beide Frauen hatten unabhängig voneinander von ähnlichen Erlebnissen im Jahr 2015 berichtet: Der erste Vorfall soll sich im Jänner ereignet haben. Eine Patientin wurde nach der Operation in den Aufwachraum gebracht. Dort soll der Anästhesiepfleger ihren bewusstseinsgetrübten Zustand ausgenützt haben und sie nicht nur betastet, sondern auch sexuelle Handlungen an ihr vollzogen haben. „Sie konnte klar erkennen, was er tat, es war ihr aber nicht möglich, entsprechend zu handeln“, erläuterte die Staatsanwältin. Die Frau erzählte ihren Angehörigen noch am selben Tag von den Vorfällen und meldete diese auch der Klinikleitung, erstattete aber keine Anzeige.

Im Mai soll es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen sein. Diesmal soll der Verdächtige die Frau schon vor der Operation belästigt haben, als diese bereits eine Beruhigungstablette bekommen hatte. Nach dem Eingriff soll er sich ihr nochmals sexuell genähert haben. Die Frau entschloss sich 2022 zur Anzeige, nachdem sie in einer Therapie über die Belästigungen gesprochen hatte.

Mann ist noch als Pfleger tätig
Die Staatsanwältin schilderte vor Gericht, dass es im Jahr 2015 noch einen dritten ähnlichen Vorfall gegeben habe, auch hier hatte eine Patientin ähnliche Vorwürfe gegen den Pfleger erhoben. Es kam aber zu keinen weiteren Ermittlungen. Der 51-Jährige arbeitet nach wie vor als Pfleger, mittlerweile allerdings in einem anderen Krankenhaus.

„Habe korrekt gehandelt“
Vor Gericht bestreitet der Pfleger die Vorwürfe: „Ich kann mich nicht erinnern, weiß aber, dass ich immer korrekt gehandelt habe“, beteuerte er vor Gericht: „Natürlich kommt es als Teil der Pflege auch zu Berührungen im Intimbereich, etwa wenn Elektroden unter der Brust angebracht werden.“ Zudem führt seine Verteidigerin an, dass Patientinnen immer wieder sexuelle Vorwürfe gegen Ärzte oder Pfleger erheben, die sie als erstes nach der Narkose sehen würden. Schuld daran sei die Nebenwirkung von Propofol.

Der Prozess wurde vertagt. Ein Sachverständiger für Anästhesie wird beigezogen.

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