Spott und Hohn ergießen sich über die SPÖ - aus dem ganzen Land, aus der halben Welt. Wen wundert´s nach diesem vermutlich nicht steigerungsfähigen Super-Mega-Überdrüber-Wahnsinns-GAU. Kaum ein nationales Ereignis zuvor hat die Memes-Bastler so sehr inspiriert wie die Falschauszählung beim SPÖ-Parteitag. Vom vermeintlichen Inserat „Wir suchen dringend einen professionellen Zähler - Du kannst Äpfel von Birnen unterscheiden? Du kannst zwei Zahlen mit maximal drei Stellen addieren (zur Hilfe auch mit dem Taschenrechner - NICHT EXCEL)? Dann bist Du bei uns richtig!“ bis zum Kreisky-Porträt mit der ihm in den Mund gelegten Frage „Sads es olle deppat?“ Nein, „olle“ wohl nicht. Aber eine ganze Menge in der Sozialdemokratie jedenfalls, etwa die mittlerweile berühmte Frau Grubesa, die Leiterin der Wahlkommission, und das gesamte vielköpfige Kommissions-Team - wir zeigen es heute auf unserer Titelseite als „Kommission des Versagens“. Und nun diese Damen und Herren als „deppat“ zu bezeichnen: Das riskiere ich gerne und aus Überzeugung! Denn das lässt sich bei jeder Ehrenbeleidigungsklage dieser Herr- und Frauschaften vor Gericht beweisen und gewinnen. So wurde nun nach dem Super-Pallawatsch gestern, schon nicht mehr unter Leitung der Frau Grubesa, neuerlich ausgezählt. Und danach verkündete die neue Sprecherin, nein stammelte die neue Sprecherin irgendetwas von einem „Stolperfehler“, um letztlich zu bestätigen, dass Andreas Babler mit 52,66 Prozent der Parteitags-Delegiertenstimmen gewählt sei. Was für ein verstolperter Start für den neuen SPÖ-Chef!
Bablers Nest. Er kennt sich aus in den Windungen der sozialdemokratischen Partei, mein roter Freund. Er leidet schwer an dem, was in seiner Bewegung gerade geschieht. Ihm täten die Kabarettisten leid, denn angesichts der gelebten Realsatire der Sozialdemokraten drohe denen die Massenarbeitslosigkeit, merkt er sarkastisch an. Und er bietet seiner Partei auch gleich nicht ganz ernst gemeint an, er wüsste schon ein paar Sprengelwahlbehörden in ihm bekannten Dörfern, die beim nächsten Bundesparteitag locker eine korrekte Auszählung übernehmen könnten. Aber trotz des Super-GAUs dieser Tage blickt der rote Freund optimistisch in die Zukunft: Nach diesem unglaublichen Debakel habe Andreas Babler, meint er, nun alle Trümpfe in der Hand, „diesen teils heruntergekommenen Parteiapparat völlig neu aufzustellen und aus der SPÖ wieder eine Bewegung zu machen, die viel mehr Menschen emotional anspricht und begeistert“ - und das trotz aller Schwächen und Erfahrungsdefizite, die Babler zweifellos noch habe. Was können wir aus einer Ansage wie dieser lernen? Es kann mit der SPÖ kaum noch schlimmer werden. Andreas Babler muss zwar viel tun - aber er hat auch den Spielraum dazu. Die Latte für ihn liegt tief. Weil die Partei, wie er selbst sagt, „am Boden liegt“. So kann sich der neue Parteiobmann nach seiner Inthronisation via Zangengeburt zwar nicht in ein gemachtes Nest legen. Vielmehr muss er sich dieses Nest erst selbst bauen. Aber das ist Bablers Chance, das kann die Chance der SPÖ sein.
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