Wiener Asylberechtigte

Sieben von zehn können weder lesen noch schreiben

Wien
30.04.2023 11:00

Analphabetismus als große Herausforderung - ein Großteil der Einwanderer kann weder schreiben noch lesen. In den Deutschkursen in Wien fangen viele bei null an.

Die Asylzahlen 2022 übertrafen noch einmal jene der großen Flüchtlingswelle von 2015. Was auffällt: Der Bildungsstand der Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Kamen in den Jahren 2015/16 mehr Menschen mit höherem Bildungsstand nach Österreich, so waren sieben von zehn Einwanderern im Jahr 2022 Analphabeten.

Vor allem Syrer und Afghanen
Das heißt, sie können in ihrer eigenen Muttersprache weder schreiben noch lesen. Das betrifft vor allem Personen aus Syrien sowie aus Afghanistan. Das geht aus den aktuellen Zahlen des österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) hervor.

Sonja Ziganek, Leiterin der Integrationsprogramme beim ÖIF (Bild: Eugénie Sophie)
Sonja Ziganek, Leiterin der Integrationsprogramme beim ÖIF

„Perfektes Deutsch ist oft nicht notwendig“
„Damit wird ein Eintritt in den Arbeitsmarkt und damit auch die Selbsterhaltungsfähigkeit natürlich erschwert. Doch wir bekommen auch die Rückmeldung, dass viele Teilnehmer in den Deutschkursen dennoch gerne arbeiten wollen“, so Sonja Ziganek, Leiterin der Integrationsprogramme beim ÖIF. Doch anscheinend wären die gedanklichen Hürden oder die Hemmschwelle zu hoch.

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Es ist eine Win-win-win-Situation. Die Asylwerber lernen durch das Anwenden der Sprache schneller Deutsch, Unternehmen können offene Stellen besetzen und das Sozialsystem wird schneller entlastet.

Sonja Ziganek

Ziganek: „Viele denken, sie müssten perfektes Deutsch sprechen, um sich für eine Stelle bewerben zu können. Doch das ist in vielen Fällen gar nicht notwendig. Unternehmen benötigen Arbeitskräfte in allen Bereichen, und viele der freien Stellen lassen sich nicht besetzen.“ Also haben sich der ÖIF und mehrere große Unternehmen zusammengetan und eine neue Jobplattform ins Leben gerufen.

Unternehmen wie etwa SPAR, die Österreichische Post, Mediaprint, Foodora oder auch ISS Facility-Management informieren Migranten während der Deutscheinheiten direkt vor Ort über konkrete Einstiegsmöglichkeiten und Jobangebote für Personen mit geringen Deutschkenntnissen.

„Sozialsystem wird schneller entlastet“
Mit an Bord ist auch die Berufsvereinigung der Arbeitgeber privater Bildungseinrichtungen (BABE) als größter Anbieter von Deutschkursen. Der ÖIF stellt für diese Termine auch Dolmetscher. Ziganek: „Es ist eine Win-win-win-Situation. Die Asylwerber lernen durch das Anwenden der Sprache schneller Deutsch, Unternehmen können offene Stellen besetzen, und das Sozialsystem wird schneller entlastet.“

AMS niederschwellig unterstützen
Dem AMS wolle man damit keine Konkurrenz machen. Man könne aber niederschwellig unterstützen. Ziel wäre es ohnehin, dass sich die Betroffenen an den neuen Arbeitsstätten weiterbilden und in höhere Stellen aufsteigen. „Das ist auch die Intention unserer Partner aus der Wirtschaft. Viele bieten ihren neuen Mitarbeitern eigene Fortbildungsmöglichkeiten an. Zudem bauen wir unser Angebot an Deutschkursen kontinuierlich aus. Diese sind auch berufsbegleitend möglich“, so die Integrationsexpertin.

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