Vogel des Jahres 2023

Das Braunkehlchen braucht Blumenwiesen

Tierecke
11.04.2023 12:55
Porträt von Tierecke
Von Tierecke

Das Braunkehlchen kehrt jedes Jahr Ende April aus dem tropischen Afrika nach Österreich zurück und zeigt stellvertretend, wie schlecht es um die Artenvielfalt bestellt ist. Der Bodenbrüter benötigt blütenreiche Wiesen oder Brachen als Lebensraum. Doch dieser verschwindet allerorts, weshalb der Bestand der Vögel dramatisch einbricht. 

Das Braunkehlchen ist in Österreich nur noch vereinzelt und lückenhaft anzutreffen. Aktuell werden österreichweit nur 950 bis 1.500 Brutpaare geschätzt. Eine sehr ernste Bilanz. Der Vogel des Jahres 2023 besiedelt landwirtschaftliche Gunstlagen, die sich auch für die mechanisierte Bewirtschaftung und hohe Produktion eignen. Die Spezialisierung der Landwirtschaft auf Milchwirtschaft fordert proteinreiches Futter: Heu, das in der Wachstumsphase gemäht wird. „Doch zu diesem Zeitpunkt zieht das Braunkehlchen gerade seine Jungen in Bodennestern auf“, informiert Katharina Bergmüller von BirdLife Österreich.

Was es braucht
Zeit für eine zweite Brut bleibt selten, wenn die erste durch das Ausmähen zerstört wird.  Das Überleben des Jahresvogels hängt direkt vom Schutz artenreicher Blumenwiesen ab. Im österreichischen Strategieplan im Rahmen der „Gemeinsame Agrarpolitik“ (GAP) zeigen sich positive Ansätze für die Förderung von extensiver Bewirtschaftung im Grünland. Jetzt hänge alles davon ab, ob diese auch auf die Fläche gebracht wird, so BirdLife, und fordert Wiesenlandschaften mit blütenreicher Vegetation in vielfältiger Ausstattung.

Verbreitungsgebiete

  • Das Braunkehlchen ist in Österreich nur noch vereinzelt und lückenhaft anzutreffen.
  • Ein nennenswerter Restbestand ist in Tirol anzutreffen, mit rund 300 Brutpaaren.
  • Im Alpenraum, im Waldviertel und im Neusiedler See-Gebiet gibt es noch vereinzelte kleine Populationen.
  • In Oberösterreich ist das Braunkehlchen ausgestorben, obwohl es 1998 noch 245 Brutpaare gab.

Wichtige Forderungen
In den letzten, vereinzelten und lückenhaften Braunkehlchen-Gebieten Österreichs müsse die Hälfte aller Grünlandflächen maximal zwei- bis dreimal gemäht werden, so die Vogelexperten in einer Aussendung. Die verpflichtende Anlage von Biodiversitätsflächen (spät gemähte Wiesen, Brachestreifen sowie mehrjährige Blühstreifen, die im Winter stehen gelassen werden) solle in den betreffenden Regionen auf diese Gebiete konzentriert werden.

„Dazu brauchen wir partnerschaftlich Landwirte, die vom Zwang befreit werden müssen, für das Überleben ihrer Grünlandbetriebe immer intensiver wirtschaften zu müssen“, so Braunkehlchen-Fachfrau Bergmüller. Förderungen wären also ebenso unerlässlich wie umweltbewusste Konsumenten, die auf die Herkunft der Produkte achten.

Initiative zur Rettung
Das Braunkehlchen zeigt stellvertretend, wie schlecht es um die Artenvielfalt in Österreichs Grünland bestellt ist. Da aber jedes Märchen ein Happy End braucht, hat es die Geschichte des Braunkehlchens hoffentlich auch. Um das Braunkehlchen und andere Feld- und Wiesenvogelarten zu unterstützen, betreibt BirdLife Österreich Schutzprojekte in Niederösterreich, Tirol, Kärnten, Oberösterreich und im Burgenland.

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