So, 22. Juli 2018

WikiLeaks-Enthüllung

05.09.2011 15:51

USA wollten Rote-Khmer-Chef Pol Pot nach China schaffen

Zehn Jahre nach dem Sturz des Terrorregimes der Roten Khmer in Kambodscha wollten die USA den von ihnen unterstützten Ex-Regimechef Pol Pot (im Bild links) und weitere Führungsmitglieder aus ihrem Dschungelversteck nach China abschieben. Das geht aus einer Depesche des US-Außenministeriums von 1989 hervor, die nun die Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht hat. Der Inhalt wurde am Montag in Kambodscha bekannt, eine Stellungnahme der Regierung dazu gab es bisher nicht.

Die nun von WikiLeaks veröffentliche Depesche entstand nach den vergeblichen Bemühungen zur Beilegung des Bürgerkrieges, der zehn Jahre nach dem Sturz des von China unterstützten maoistischen Regimes durch eine vietnamesische Militärintervention weiter andauerte. Die Roten Khmer zogen sich in den Dschungel zurück und erhielten auch vom Westen Hilfe. Sie behielten den UNO-Sitz und führten einen verlustreichen Untergrundkrieg gegen die pro-sowjetischen Vietnamesen und das mit deren Hilfe installierte Regime in Phnom Penh.

Rote-Khmer-Anführer sollten nach China gehen
Die Depesche des US-Außenministeriums enthält Empfehlungen für Unterredungen mit chinesischen Diplomaten und stammt aus dem Büro des damaligen stellvertretenden US-Außenministers Lawrence Eagleburger. "Die andauernde Präsenz in Kambodscha von führenden Roten Khmer wie Pol Pot, (Außenminister) Ieng Sary und (Militärchef) Ta Mok ist besonders problematisch", heißt es darin. "Um eine Lösung des Konflikts zu erreichen, wäre es hilfreich, wenn Ihre Regierung sich dafür einsetzt, dass diese inakzeptablen Rote-Khmer-Anführer nach China gehen."

Ob die Bitte tatsächlich vorgetragen wurde, bleibt jedoch weiter unklar. Erst 1991 kam es zur Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens, das die Voraussetzung für eine große UNO-Friedensoperation und demokratische Wahlen in Kambodscha schuf. Ex-Diktator Pol Pot starb 1998 in seinem Versteck an der thailändischen Grenze. Ieng Sary und der ehemalige nominelle Staatspräsident Khieu Samphan stehen jetzt in Phnom Penh vor einem Völkermordtribunal (siehe Infobox).

Zwei Millionen Menschen unter Regime gestorben
Die Roten Khmer unter Pol Pot wollten das jahrelang durch Bürgerkrieg und amerikanische Bomben geschundene Kambodscha 1975 zu einem kommunistischen Bauernstaat machen. Sie schafften das Geld ab und zwangen sämtliche Stadtbewohner zur Arbeit auf den Feldern. Das von China unterstützte maoistische Regime wurde nach der Machtübernahme aber zunehmend paranoid und verdächtigte bald Hunderttausende Menschen als Verräter. Zwei Millionen Menschen, knapp ein Viertel der damaligen Bevölkerung Kambodschas, kamen damals durch Erschöpfung, Hunger, Krankheit, Folter und Hinrichtungen ums Leben.

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