In der Pandemie war beim uralten Brauch Improvisieren nötig, doch heuer tickt Breitenbach wie immer. Hunderte Männer und Buben bereiten sich auf das „Peaschtl laffn“ Anfang Dezember vor. Die Vorfreude ist größer denn je, auch in anderen Unterländer Orten.
Da flossen sogar Tränen: Zwei Jahre verhinderten Ausgangssperre und Lockdown den Brauch, für den die Breitenbacher jedes Jahr brennen – das „Peaschtl laffn“. Heuer soll es endlich wieder so sein wie immer. 600 Buben und Männer fiebern dem 5. und 6. Dezember mit Enthusiasmus entgegen.
Auch 2. Weltkrieg konnte den Brauch nicht stoppen
Zeitzeugen berichten über die Jahre des 2. Weltkrieges: „Während die Breitenbacher Männer an der Front kämpften, schlüpften kurzerhand die Frauen in die Maisflitschen-Gewänder“, weiß Hobby-Historikerin Barbara Moser, die drei Bücher über das Peaschtl-Fieber im Ort schrieb.
Auf eigenem Grundstück oder vor das Nachbarshaus
Einfallsreichtum war während der Corona-Pandemie gefragt: Manche Familienväter pflegten mit viel Leidenschaft das Brauchtum gemeinsam mit ihren Kindern. „Wenn ich mit meinem Sohn und Neffen im Peaschtl-Gewand auf meinem Grundstück rund um das Haus gehe, da konnte doch keiner etwas dagegen haben“, erinnert sich der begeisterte Peaschtl Stefan Ingruber an die Kunst des Improvisierens.
Und so formierte sich manche Familien-Pass und besuchte mal schnell die Großeltern und die Nachbarn vor deren Haus. Gerade diese Beweise, dass sich die jahrhundertealte Tradition nicht unterkriegen lässt, sind jetzt eine schöne Erinnerung. Auch für die besuchten Gastgeber, denn Peaschtln bringen bekanntlich Glück und Segen.
Die Passen gehen am 5. und 6. Dezember von Haus zu Haus. Voran die Hex’ mit Reisigbesen. Ihr folgen die Trommler mit riesigen ausrangierten Tanks. Dann marschieren die Blaser und die Hupfer mit den Schellen und Glocken. Sie alle bringen Glück und reiche Ernte.
Pandemie: Als um 18 Uhr ein Höllenlärm losbrach
Im Coronajahr 2020 wurden aber auch andere Ideen für die Inszenierung des Brauches geboren, wie Barbara Moser weiß: „Pünktlich am 5. Dezember um 18 Uhr gingen viele Breitenbacher mit Trommeln, Glocken, Schellen und Schwegeln vor die Häuser und sorgten für eine mystische Klangwolke über dem Peaschtl-Dorf.“ Es waren Gänsehautmomente am Fuße des 1741 Meter hohen Pleassinger – und alle waren sich in diesen Augenblicken sicher: Was auch immer kommt, wie auch immer die nächsten Krisen aussehen mögen: Niemals wird dieses ewige Ritual in Breitenbach sterben...








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