Wo der Physiker Victor Franz Hess in den 1930er-Jahren forschte, wird nun seine Geschichte rund um die Entdeckung der Kosmischen Strahlung erzählt. Eine unscheinbare Hütte auf 2300 Metern Seehöhe in Innsbruck hat es in sich.
Zehntausende Wanderer, Skifahrer und Ausflügler zieht es jedes Jahr hinauf aufs Hafelekar über Innsbruck. Aber kaum jemand weiß, dass hier oben auf 2300 Metern Seehöhe ein Nobelpreisträger seine bahnbrechende Entdeckung erforschte und damit in der Welt der Wissenschaft ganz neue Türen aufstieß.
Einblicke in Welt der Wissenschaft in den 1930er-Jahren
Eine unscheinbare Hütte neben der Bergstation. Victor Franz Hess Messstation steht seit Kurzem weithin sichtbar auf einem schwarzen Vorbau. Bei Schnee und Wind wurde am Donnerstag hier ebenfalls eine Tür aufgemacht. Eine Tür in die Vergangenheit. Nach jahrelanger Planungs- und Umbauphase eröffnete die Universität Innsbruck ein Observatorium, in dem Wissenschaftsgeschichte entdeckt werden kann.
Hier oben hat Victor Franz Hess (1883–1964), Professor für Physik in Innsbruck, in den 1930er-Jahren an seinem Steinke-Apparat gesessen, um die Kosmische Strahlung zu messen. Für die Entdeckung dieser Strahlen aus dem All erhielt der gebürtige Steirer 1936 den Nobelpreis für Physik.
Kosmische Höhenstrahlung 1912 bei Ballonfahrten entdeckt
Der Steinke-Apparat steht heute noch am Hafelekar. Er wurde ebenso wie die gesamte Hütte in den vergangenen Jahren behutsam restauriert und dezent adaptiert. Besucher können über große Fenster Einblick in die Forschung und das Leben von Hess gewinnen. Der Physiker entdeckte die Kosmische Höhenstrahlung 1912 bei Ballonfahrten. 1931 wechselte Hess als Professor von Graz nach Innsbruck. Die wenige Jahre zuvor eröffnete Nordkettenbahn machte es möglich, eine Messstation am Berg zu betreiben.
Einen „authentischen Ort lesbar machen“ wollten Architekt Christian Höller und die Ausstellungsmacher vom Büro „Rath&Winkler“. Das ist gelungen. Auch wenn das Innere der Hütte nur im Rahmen von Führungen zugänglich ist, kann doch jeder über klug bespielte Nischen von außen hineinschnuppern. In einer Videoinstallation werden Schlüsselmomente im Leben des Nobelpreisträgers szenisch dargestellt.
Letzter Besuch in Innsbruck im Jahr 1958 und Eintrag ins Hüttenbuch
Im Inneren der Hütte wurde ein Schauraum für Fachbesucher eingerichtet, in dem die Stationen im Forscherleben von Victor Franz Hess dokumentiert sind. Hier liegt auf dem Original-Schreibtisch des Physikers jenes Hüttengästebuch, in das sich Hess bei seinem letzten Besuch am Hafelekar 1958 eingetragen hat. „Ein unvergesslicher Tag“, schrieb der Gast, der mittlerweile in den USA lebte.
Unvergesslich wird auch Victor Franz Hess bleiben. In erster Linie wegen des Nobelpreises. Aber auch, weil nun auf dem Hafelekar sein Vermächtnis angemessen gewürdigt wird. Die Europäische Physikalische Gesellschaft hat dem Ort das Prädikat „Historic Site“ verliehen. Es ist erst der dritte Ort in Österreich mit dieser Auszeichnung.









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