„Krone“-Kommentar

Kalte Progression: Das Schmäh-Ende

Wirtschaft
15.09.2022 06:00

Viele Regierungen haben es versprochen, zahlreiche Finanzminister kündigten es an - nur das Ende der kalten Progression kam nicht. Nämlich das Ende jenes perfiden Systems, bei dem der Staat Inflationsgewinner ist. Jede Gehaltserhöhung lässt den Finanzminister in die Hände klatschen - ganz automatisch erhöhen sich auch seine Einnahmen. Die Progression lässt grüßen.

Dieses System war für die jeweilige Regierung wunderbar: Man kassierte still die inflationsbedingten Erhöhungen, und alle paar Jahre, wenn wieder ein paar Milliarden Euro zusammengekommen waren, rief man dem Volk zu: „Jetzt machen wir eine große Steuerreform, die wird in die Milliarden gehen.“ Aha, jene Milliarden, die uns vorher heimlich, still und leise abgeknöpft wurden.

Mit diesem Schmäh geht es jetzt zu Ende. Das ist das Verdienst eines Finanzministers, der von vielen unterschätzt wurde: Magnus Brunner, sportlicher Vorarlberger und unter Gewessler kurzgehaltener Staatssekretär. Er entwickelte jene ruhige Zielstrebigkeit, die es bei einem so sensiblen Thema braucht. Denn mit der kalten Progression gibt die Politik freiwillig einen beträchtlichen finanziellen Spielraum auf.

Ich halte das für einen Fortschritt. Netto bringt es den Bürgern mehr im Börsel, und für die Politik wird es zugleich schwieriger, ein solides Budget zu erstellen. Ein Zurück gibt es nicht - endlich wird wieder nach vorne geschaut. Höchste Zeit, dass dieser Schmäh zu Ende geht!

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