
Im Stich gelassen. „Ich kann nicht mehr“ schrieb in einem ihrer Abschiedsbriefe die von Impfgegnern und Identitären monatelang gemobbte und bedrohte oberösterreichische Hausärztin, die in der Nacht auf Freitag dem Druck nicht mehr standzuhalten empfand und ihrem Leben ein Ende machte. Im drei Seiten langen Abschiedsbrief an die Landespolizeidirektion Oberösterreich kritisiert die mit Morddrohungen von Corona-Leugnern konfrontierte Medizinerin, „dass sehr viel geredet wurde, aber keiner etwas getan hat“. Und so schließt sie ihre Abrechnung auch mit den dramatischen Worten „Ich verwünsche die Landespolizeidirektion Oberösterreich!“ ab. Nicht besser weg kommt die Standesvertretung der Ärzte. In einem an die Ärztekammer gerichteten Abschiedsbrief beklagt sie, dass es auch von dieser Seite keine Hilfe gegeben habe, sie fühle sich im Stich gelassen. Positiv erwähnt die in den Tod getriebene Ärztin Ex-Gesundheitsminister Anschober, die Psychiaterin Kastner und Staatsschutz-Direktor Haijawi-Pirchner. Dessen Behörde übernahm nun die Ermittlungen. Da ist wohl vieles höchst aufklärungsbedürftig. Sonst bleibt im Raum das (Vor-)Urteil stehen, dass Behörden mehr Verständnis für wüst drohende, abgrundtief gemeine Impfgegner und Identitäre aufbringen als für deren Opfer.
Gemeistert. Den ungarischen „Despoten“ Orbán zum Staatsbesuch nach Wien einzuladen - dafür bekam Bundeskanzler Karl Nehammer im Vorfeld manch berechtigte Schelte ab. Erst recht, nachdem der Nachbar Ende vergangener Woche rassistisch-antisemitische Töne angeschlagen hatte. Den Staatsbesuch hat der Kanzler schließlich recht gut gemeistert - wobei man mit „gemeistert“, seitdem es Nehammer-Vorgänger Kurz in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verwendet hat, vorsichtig umgehen muss. Tatsächlich sprach der derzeitige Kanzler seinen Amtskollegen am Donnerstag in Wien auf dessen Rassismus-Äußerungen an. Noch bemerkenswerter aber war wohl die kleine feine Spitze gegen den laut Eigendefinition „Nicht-Rassisten“ aus Ungarn: Beim Abschreiten der Bundesheer-Ehrenkompanie fand sich in der ersten Reihe doch glatt ein schwarzer österreichischer Soldat… Aber „gemeistert“? Gemeistert hat diese Regierung herzlich wenig. Man ist schon froh, wenn neue Stolperer in Fettnäpfchen einmal ein paar Tage lang ausbleiben. Denn Maßnahmen gegen die Teuerung wirken bisher genauso wenig wie die Klima- oder Gaskrise gemeistert wären. Schon gar nicht kann man die Corona-Krise „meistern“, indem man wie ab morgen versucht, sie abzuschaffen.
Einen schönen Sonntag!















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