An Salzburgs Grenze

Lehrstunde für neugierigen Bundespräsidenten

Salzburg
27.07.2022 05:30
Hochinteressiert ließ sich Alexander Van der Bellen gestern Haidach 5, Salzburgs Gaslager, erklären. Dann nahm er per Appell Abschied.

Zwischen Bauernhöfen und der B147 Richtung Friedburg in Oberösterreich steht Haidach 5, eine der wichtigsten Erdgaslagerstätten Salzburgs. Dorthin verschlug es gestern am Nachmittag Alexander Van der Bellen. Nicht, weil sich in der ländlichen Idylle 40 Minuten entfernt der Landeshauptstadt die Energieprobleme Europas und Österreichs lösen ließen. Sondern weil der Bundespräsident schnell und komprimiert Einblicke in das geopolitisch heikle, gefragte Gas gewinnen konnte.

Erst lauschte der gebürtige Tiroler gespannt dem verantwortlichen Erdgaslagerleiter Anton Radauer. Er zeigte Van der Bellen eine Gastrocknungsanlage, einen Speicherverdichter und ein Blockheizkraftwerk. Und erklärte, dass in Haidach 5 ja auch Erdgas aus den umliegenden Felder gewonnen und produziert wird. Es ist nur ein Bruchteil des Salzburger Bedarfs. „Das ist wenig, aber immerhin“, sagte Van der Bellen. Da hörte auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer genau zu.

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Ich hoffe, dass wir über diesen Winter gut drüber kommen, 2023 dann beim Ausbau der erneuerbaren Energien ernst machen.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen

„Wir könnten sogar zu viel Gas haben“
Der Bundespräsident holte danach die Expertenmeinungen von Salzburg-AG-Boss Leonhard Schitter und Markus Mitteregger ein. Mitteregger, Geschäftsführer des größten heimischen Energiespeicherunternehmens RAG, erklärte Van der Bellen etwa, dass man im Winter sogar zu viel Gas haben könnte. Was auch problematisch wäre. Man stelle sich auf weniger Gas des russischen Lieferanten Gazprom ein, suche nach Alternativen. Sollten die Russen aber plötzlich doch die volle Menge liefern, stünde tatsächlich zu viel zur Verfügung. „Mich fasziniert, was hier alles zusammenwirkt: Das Gas muss gefunden, gefördert, durch Pipelines geliefert, gespeichert werden. Es muss bei den Kunden landen, egal ob beim Bäcker oder im privaten Haushalt. Wir haben aber auch internationale Verpflichtungen, das macht die Sache so komplex“, sagte Van der Bellen.

„Die Versorgung ist nicht gesichert“
Nach 60 Minuten bei Haidach-5 endete die Energie-Lehrstunde Van der Bellens. Der Bundespräsident kehrte wieder nach Salzburg zurück. Zuvor hatte er aber noch einen Ausblick auf die ungewisse, nahe Zukunft gewagt: „Sagen wir es vorsichtig, die Gasversorgung ist nicht gesichert. Ich hoffe, dass wir über diesen Winter kommen und nächstes Jahr mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien ernst machen.“

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