11.07.2011 13:10 |

Auf Militärbasis

Beschlagnahmte Munition explodiert - 12 Tote auf Zypern

Bei mehreren Explosionen auf dem Marinestützpunkt Evangelos Florakis im Süden der Mittelmeerinsel Zypern sind am Montag mindestens 12 Menschen ums Leben gekommen, 59 weitere wurden nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur CNA verletzt. Die Detonationen ereigneten sich demnach gegen sechs Uhr Ortszeit, nachdem zwei von insgesamt 98 gelagerten Containern mit Schießpulver durch Buschbrände Feuer gefangen hätten. Das Kriegsmaterial sei vor drei Jahren auf dem Weg nach Gaza beschlagnahmt worden und seitdem im Hafen gelagert worden.

Wie der zypriotische Rundfunk RIK berichtete, ist der gesamte Stützpunkt im Süden der Mittelmeerinsel zwischen den Städten Limassol und Larnaka, aber auch umliegende Gebäude, Tavernen und Bars am Strand schwer beschädigt worden. Auch ein Elektrizitätswerk wurde nach Augenzeugenberichten schwer beschädigt. Es kam zu Stromausfällen. "Wir können das Ausmaß des Schadens noch nicht einschätzen, aber es ist ein biblisches Desaster", sagte ein Sprecher.

"Wie ein Kriegsgebiet"
"Überall hier liegen Splitter und Scherben", sagte der Besitzer einer Taverne dem Sender. Über dem Stützpunkt stieg eine dicke Rauchsäule in den Himmel. Andere Augenzeugen berichteten, der Stützpunkt sei fast vollständig zerstört worden. In der Ortschaft Mari seien fast alle Gebäude durch die Druckwellen der Explosionen beschädigt worden. "Die Gegend sieht wie ein Kriegsgebiet aus", berichtete ein Augenzeuge dem Fernsehsender Sigma.

Dutzende Autofahrer wurden auch auf der Autobahn Larnaka-Limassol durch Splitter verletzt. "Es kamen aus dem Himmel Holzlatten, Eisenstangen, ganze Teile von Dächern auf uns runter", schilderte eine Autofahrerin ihre Erlebnisse im Fernsehen. Die Detonationen seien "ohrenbetäubend" gewesen.

Munitionscontainer im Hafen gelagert
Nach Information des staatlichen Rundfunks lagerten die Munitionscontainer im Hafen des Stützpunkts. Wie es hieß, stammen sie aus einem illegalen Munitionstransport vom Iran in den Gazastreifen und waren vor drei Jahren an Bord eines Frachters vor Zypern beschlagnahmt worden. Seitdem seien sie auf dem Stützpunkt gestanden.

"Wir sind erschüttert", sagte der Präsident der Republik Zypern, Dimitris Christofias, nach einem Besuch des Stützpunkts. "Untergang ist das richtige Wort dazu", sagte Parlamentspräsident Giannakis Omirou im staatlichen Fernsehen. "Es ist ein weiterer schwarzer Juli für unser Land und unser Volk", meinte Christofias und verglich damit die Explosionskatastrophe mit der Teilung der Insel im Juli 1974. Damals war Zypern nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt worden.

Verteidigungsminister zurückgetreten
Bereits wenige Stunden nach der Katastrophe trat Verteidigungsminister Kostas Papakostas zurück. Auch der Kommandant der Nationalgarde nahm nach Berichten des Rundfunks am Montag seinen Hut. Zuvor war scharfe Kritik laut geworden, dass die Munitionscontainer offen auf dem Stützpunkt gelagert worden waren und nicht - wie sonst üblich - unterirdisch.

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