Inmitten des Konflikts zwischen den USA und den europäischen NATO-Staaten wegen Donald Trumps Ansprüchen auf Grönland holt den Fußball eine bekannte Debatte ein. In Deutschland und Großbritannien werden in der Politik Stimmen laut über einen Boykott der Fußball-WM in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko. Doch wie wahrscheinlich ist dieses Szenario?
Stand heute wird die WM ebenso pünktlich mit dem Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko angepfiffen wie das erste deutsche Spiel am 14. Juni gegen Außenseiter Curaçao. Der Deutsche Fußball-Bund ist bei Boykott-Debatten ein gebranntes Kind. Auch vor der WM 2022 war hitzig debattiert worden – damals wegen der Menschenrechtslage im Gastgeberland. Die deutsche Nationalmannschaft schleppte die Diskussion, wer sich wann wie verhalten sollte, ins Turnier und schied in der Vorrunde aus.
Zwar hatte es im Weltsport schon Boykotte gegeben – etwa bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles. Die Sportverbände betonen aber immer wieder, dass Politik und Sport getrennt voneinander betrachtet werden sollen. Boykotte werden nicht als Lösung geopolitischer Probleme angesehen.
„Man bestraft damit die Fans und die Sportler“
Treffen würde ein Boykott europäischer Mannschaften zudem auch die Fans. Die Spielpaarungen stehen seit Wochen fest, Tausende Menschen haben Tickets gekauft, teils teure und lange Reisen gebucht. „Was Boykottdrohungen im Sport angeht, bin ich generell skeptisch. Man bestraft damit die Fans und die Sportler, der Nutzen ist fragwürdig“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner der „Süddeutschen Zeitung“.
Man bestraft damit die Fans und die Sportler, der Nutzen ist fragwürdig.
SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“
Wer fordert einen WM-Boykott? Und warum?
In Deutschland hatte sich unter anderem CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt ausführlich geäußert. Für den Fall einer Annexion Grönlands durch die USA könne er sich nicht vorstellen, im Sommer in den Staaten ein fröhliches Fußballfest zu feiern, sagte er im Deutschlandfunk. Eine widerrechtliche Besetzung Grönlands bedeute aus seiner Sicht, dass die Europäer überprüfen müssten, „ob man an solchen Spielen teilnehmen kann“. Er gehe aber fest davon aus, dass es dazu nicht komme, sondern dass Trump von seinem Plan absehe.
In Großbritannien äußerte sich unter anderem das konservative Parlamentsmitglied Simon Hoare. Die Regierung müsse „Feuer mit Feuer“ bekämpfen und Trump entschieden entgegentreten. Den geplanten Besuch von König Charles III. in den USA stellte er aus denselben Gründen infrage. Trump müsse da getroffen werden, wo es ihm wehtue – bei seinem Ego. Der US-Präsident sei „dünnhäutig“ und möge es nicht, in Verlegenheit gebracht zu werden.
Das sagt das heimische Bundeskanzleramt
Aus dem Bundeskanzleramt in Wien hieß es, „dass man sich vehement gegen eine Politisierung von Kunst und Kultur, Musik oder Sport ausspreche und entschieden gegen eine Cancel Culture eintrete“.
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